Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/99/
Erstes Kapitel. Experim. Ermittlung d. Funktion d. Querdisparatio?i. 85 
pulse durch die gleichzeitig bestehenden „höheren“ Impulse eben¬ 
sowohl verstärkt wie geschädigt oder gar aufgehoben werden kann. 
Denn der Tiefeneindruck, den die „niederen“ Impulse allein 
liefern würden, kann unter dem Einflufs der gleichzeitig be¬ 
stehenden „höheren“ Impulse ebensowohl deutlicher wie undeut¬ 
licher werden, ja er wird in vielen Fällen durch die entgegen¬ 
gesetzt gerichteten „höheren“ Impulse aufgehoben oder ins Gegen¬ 
teil verkehrt. 
Nach diesen kurzen Rekapitulationen geben wir folgende De¬ 
finition des Begriffes „Tiefenvalenz“ : Ein „niederer“ Impuls 
hat eine um so gröfsere „Tiefenvalenz“, je deutlicher der Tiefen¬ 
eindruck ist, zu dem er von sich allein aus Anlafs gibt, und je 
weniger die Deutlichkeit des von ihm allein erzeugten Tiefen¬ 
eindrucks durch das gleichzeitige Bestehen eines bestimmten 
„höheren“ Impulses herabgesetzt1 wird. 
Ordnen wir die bei der Analyse des P. Ph. erhaltenen Ver- 
suchsergebnisse nach dem oben (S. 84) angegebenen Gesichts¬ 
punkt, nämlich nach der Exzentrizität der Netzhautstellen, so 
ergibt sich der Satz: Die „Tiefenvalenz“ eines „niederen“ 
Impulses ist um so geringer, je exzentrischer die 
Netzhautstelle liegt, die zu dem betreffenden 
„niederen“ Impuls Anlafs gibt. 
Bei der Erklärung dieser Tatsache wird an zweierlei zu 
denken sein. Einmal ist darauf hinzuweisen, dafs die Tendenz 
bzw. der Impuls zur Ausführung von Blickbewegungen bei gleich¬ 
zeitiger und gleichartiger Reizung nahezu korrespondierender 
Netzhautstellen an erkanntermafsen stärker ist als bei gleichzeitiger 
und gleichartiger Reizung sehr disparater Netzhautstellen. 
Ist der Fadenabstand (a-b) relativ sehr klein (grofs), so liegt der¬ 
jenige Faden, welcher sich auf der Netzhautperipherie abbildet, 
der Fovea relativ sehr nahe (fern). Die Tendenz, bzw. der Im¬ 
puls, den peripher erscheinenden Faden mit dem foveal er- 
1 Die Null werte und die negativen Werte der Deutlichkeit des Tiefen¬ 
eindrucks, d. h. die Fälle der Aufhebung und Umkehrung, sind einbegriffen. 
— Wenn die Definition zwei Bedingungen angibt, so ist das darum kein 
logischer Fehler, weil die Deutlichkeit des Tiefeneindrucks und sein Persi¬ 
stenzgrad gegenüber herabsetzenden Einflüssen, wie unsere Analyse des 
P. Ph. lehrt, miteinander verkoppelte Erscheinungen darstellen, dergestalt, 
dafs ein Tiefeneindruck von hoher (geringer) Sinnfälligkeit auch eine grofse 
(geringe) Persistenz gegenüber entgegenwirkenden Impulsen besitzt.
        

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