Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/90/
76 
Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
auch von der Akkommodation ein Antrieb zu einer Änderung 
der Konvergenz ausgeht. 
Gar nicht eingegangen sind wir bisher auf die Versuche, bei 
denen gleichzeitig ein Umschlag des Tiefeneindrucks und eine, 
_ - * • 
wie unter mechanischem Zwange auftretende, Änderung der 
Fixationsrichtung beobachtet wurde. 
Fafst man — unter Absehung von den bisher besprochenen 
Versuchen — ausschliefslich jene Versuche ins Auge, so drängt 
sich einem zunächst die Annahme auf, dafs immer derjenige 
Faden eine Tendenz zum Hervortreten zeigt, dem sich die 
Fixation und die Aufmerksamkeit zuwendet. Im Einklang hier¬ 
mit scheint die Tatsache zu stehen, dafs beim PAxuMschen Ver¬ 
such in seiner ursprünglichen Gestalt bei ungezwungenem Ver¬ 
halten die Fixation vorwiegend auf dem vorstehenden Faden 
ruht. Man könnte somit auf den Gedanken kommen, dafs die 
Fixationsrichtung die letzte und direkte Ursache für die Art 
des beim P. Ph. zu beobachtenden Tiefeneindrucks sei, und man 
könnte zum Zwecke der weiteren Stützung dieser Behauptung 
auf die umkehrbaren perspektivischen Zeichnungen verweisen, 
bei denen sich die Art des Tiefeneindrucks auch ganz wesentlich 
von der Fixationsrichtung abhängig zeigt. 
Dafs eine enge Abhängigkeit zwischen der Fixationsrichtung 
und der Art des Tiefeneindrucks besteht, ist durch unsere Ver¬ 
suche sichergestellt. Die Ansicht aber, dafs die Fixationsrichtung 
die direkte und unmittelbare Ursache für die Art des 
Tiefeneindrucks ist, müssen wir ablehnen; wäre die Fixation des 
vorderen Fadens die direkte und unmittelbare Ursache seines 
Vorstehens, so müfste die Erscheinung des Vorstehens eben dann 
am ausgeprägtesten sein, wenn der Faden V fixiert wird; denn 
in diesem Falle wäre die zu dem Phänomen führende Ursache 
in reinster Ausprägung gegeben, in reinerer Gestalt als im Falle 
des ungezwungenen Verhaltens und des absichtlich schweifenden 
Blickes. Die Erscheinung ist nun aber ganz im Gegenteil bei 
Wanderung des Blickes am deutlichsten, und wir zogen hieraus 
bereits den Schlufs, dafs die Wanderung der Aufmerksamkeit 
— also nicht die Festheftung derselben — die direkte und un¬ 
mittelbare Ursache des Phänomens darstellt. 
Dafs die Fixation nicht die direkte und unmittelbare Ur¬ 
sache des Phänomens ist, geht auch daraus hervor, dafs die 
Änderung des Tiefeneindrucks nicht ausbleibt, sondern nur eine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.