Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/86/
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72 Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahr nehmurig. 
prägterer Form zur Geltung kommen wird als bei Fixation (BL)9 
und beim absichtlichen Schweifenlassen des Blickes (2?8) wieder 
in ausgeprägterer Form als beim ungezwungenen Verhalten (B2). 
Eher könnte man die Frage auf werfen, ob denn im Falle der 
Fixation (J?3) eine Tendenz zum Wandernlassen der Aufmerksam¬ 
keit, zur Änderung der Fixationsabsicht, überhaupt besteht. —Wer 
den Versuch selbst durchgeführt hat, der wird diese letztere 
Frage auf Grund der Selbstbeobachtung unbedenklich bejahen; 
die Festhaltung der Fixation auf einem der Fäden wird als ein 
unnatürliches und gezwungenes Verhalten empfunden, welches 
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sich gegenüber den auf eine Änderung der Fixation hindrängenden 
Tendenzen nur mit einiger Mühe aufrecht erhalten läfst. 
Eine wirklicheAusführung der Blickbewegungen scheint 
offenbar nicht erforderlich zu sein, damit der Tiefenein druck auf- 
tritt ; denn im Falle der Fixation kommt es zu einer solchen Be¬ 
wegung nicht, wohl aber findet sich auch hier die Tendenz 
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zur Änderung der Fixationsrichtung, und damit ein Wandern 
der Aufmerksamkeit, welches nur durch eine besondere 
Willensintention vor dem Übergang in eine Wanderung des 
Blickes bewahrt werden kann. — AufmerksamkeitsWanderung 
und Impuls zur Blickbewegung sind bei den Erscheinungen, 
mit denen wir es in der vorliegenden Arbeit zu tun haben, immer 
zusammen, nie isoliert gegeben. Wir machen uns darum 
keiner Unklarheit schuldig, wenn wir innerhalb unserer Unter¬ 
suchung von „Auf merksamkeits Wanderung und Blickbewegungs¬ 
impuls“ immer wie von einer Einheit reden. So oft wir auch 
dieses Paar aneinandergekoppelter Vorgänge für eine Er¬ 
scheinung verantwortlich machen, jedesmal bleibt dahingestellt, 
ob vielleicht nur dem einen Gliede des Paares eine wesentliche 
Bedeutung im Hinblick auf die Verursachung der betreffenden 
Erscheinung zukommt. Die methodologische Situation, in der wir 
uns hier befinden, ist keine andere als die, in der sich der 
Chemiker bei seinen Arbeiten auf Schritt und Tritt befindet. 
Das Moment der Aufmerksamkeitswanderung erfüllt aber 
auch die weitere Forderung, die wir an das Element E unseres 
Schemas stellten (S. 71). Der Tiefeneindruck ist besonders 
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deutlich in dem Augenblick des Überganges der Fixation; es 
bedarf aber keiner besonderen Darlegung, dafs der Faktor der 
AufmerksamkeitsWanderung gerade in jenem Augenblicke seine 
Wirkung am reinsten und ausgeprägtesten entfalten kann. —
        

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