Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/73/
Erstes Kapitel. Experim. Ermittlung d. Funktion d. Querdisparation. 59 
schlage, nimmt dann, wie die Vp. bemerkt, bei Vergröfserung 
des Fadenabstandes im Falle der rechtsseitigen Darbietung er¬ 
heblich rascher zu als im Falle der linksseitigen Darbietung. 
Ein Unterschied im Verhalten beider Augen gegenüber dem 
PANUM’schen Phänomen besteht auch bei Fri. W. Allerdings 
hört bei dieser Vp. der Tiefeneindruck bald bei linksseitiger, 
bald bei rechtsseitiger Darbietung früher auf, wenn der Faden¬ 
abstand (a-b) fortgesetzt gesteigert wird. Aber das Vortreten 
des Fadens V ist bei linksseitiger Darbietung des Doppelfadens 
durchweg von viel geringerer sinnlicher Deutlichkeit und Ein¬ 
dringlichkeit als bei rechtsseitiger Darbietung. Dieser Unter¬ 
schied macht sich bereits bei den kleinsten Fadenabständen 
(1—2 mm), und in erhöhtem Mafse bei den gröfseren Faden¬ 
abständen geltend. Selbst im Falle der kleinsten Fadendistanzen 
findet bei linksseitiger Darbietung ein fortwährendes Umschlagen 
des Tiefeneindrucks statt, während bei rechtsseitiger Darbietung 
und Verwendung der kleinsten Distanzen der Faden V ruhig 
und konstant vorsteht. 
Dieser Bericht über die Beobachtungen von Fri. W. gilt 
wörtlich auch für die Erscheinungen, die ich selbst wahrnahm, 
als ich in die Untersuchung des PANUMschen Phänomens ein¬ 
trat. Nachdem ich nun aber die Beobachtung des P. Ph. — bald 
bei rechtsseitiger, bald bei linksseitiger Darbietung des Doppel¬ 
fadens — aufserordentlich oft wiederholt habe, vermag ich den 
Unterschied im Verhalten beider Augen, der in den ersten 
Wochen so eklatant und ausgeprägt war, nicht mehr zu kon¬ 
statieren. — Es mag ausdrücklich hervorgehoben werden, dafs das 
in Rede stehende Phänomen und eine auf S. 61 zu beschreibende 
Erscheinung unter allen Erscheinungen, welche ich bei der Ana¬ 
lyse des PANUMschen Versuches behandelt habe, die beiden ein¬ 
zigen sind, die infolge gehäufter und lange fortgesetzter Ver¬ 
suche eine Modifikation bezw. Aufhebung erfahren haben. 
«h 
§ 7. 
Wir gehen jetzt dazu über, zu untersuchen, wie sich das 
P. Ph. gegenüber verschiedenen Fixations- und Aufmerksam¬ 
keitsrichtungen verhält. 
Die Rahmen stehen bei 300, die Konvergenz ist die be¬ 
quemste symmetrische; bei ungezwungenem Verhalten steht 
also b' deutlich und konstant vor aï. Zur Verwendung gelangen
        

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