Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/7/
VIII 
Vorwort.. 
gebiet der letztgenannten Disziplinen anzusehen. Rückt die Raum¬ 
psychologie in den Kreis der zentraleren psychologischen Dis¬ 
ziplinen ein, so kann es nicht wunder nehmen, dafs sie auch an 
• • 
Ästhetik und Erkenntnislehre wieder engeren Anschlufs gewinnt. 
Alles dies versucht die vorliegende Arbeit auszuführen, ange¬ 
deutet wird darin, dafs unsere Disziplin noch mit prinzipielleren 
Fragen verknüpft zu sein scheint. — Empfiehlt sich somit die 
Lehre von der Wahrnehmung schon durch die Weite der Perspek¬ 
tive, welche sie zu eröffnen verheifst, so kommt hierzu als be¬ 
sonders wertvoll der Umstand, dafs sie bei ihrem Wege den 
festen und sichern Boden nicht zu verlassen genötigt ist. Auch 
endet dieser Weg nicht, wie es sonst zuweilen bei prinzipiellen 
Problemen der Fall ist, sobald an einer unübersteigbaren Schranke, 
und es ist nicht abzusehen, zu welchen Ausblicken er noch ge¬ 
leitet. Kaum hervorgehoben zu werden braucht, dafs die gegen¬ 
wärtige Arbeit wichtige Punkte späteren Untersuchungen über¬ 
lassen mufs. Es ist mir ein herzliches Bedürfnis, Herrn Prof. 
Baeumker für seine gütigen Bemühungen, mir die Fortsetzung 
meiner Arbeiten im Strafsburger Institut zu ermöglichen, auch an 
dieser Stelle zu danken. — 
Im allgemeinen ist es nicht ganz leicht, über Ergebnisse 
zu berichten, die mit den Ansichten, welche ein hochverehrter, 
inzwischen verschiedener Lehrer vertrat, in manchen Punkten 
nicht un^pfeeblieh -ahweich^n. Um zu erläutern, weshalb mich 
ein solches schmerzliches Gefühl nicht beschleicht, wenn die 
Ergebnisse der eigenen Arbeit in mehrfacher Hinsicht von der 
Lehre, welche Hermann Ebbinghaus vertrat, abweichen, mufs 
ich um die Erlaubnis bitten, an dieser Stelle über ein persön¬ 
liches Erlebnis berichten zu dürfen. In der ersten Stunde des 
• m 
EBBiNGHAusschen Seminares, an der ich teilnahm, wurden Übungs¬ 
arbeiten verteilt, darunter eine solche über geometrisch-optische 
Täuschungen, welche letztere ich zur Bearbeitung übernahm. 
Ebbinghaus erwähnte im Vorübergehen, dafs er selbst über den 
Gegenstand gearbeitet habe; es war mir jedoch unmöglich, am 
nächsten Tage den Titel und den Erscheinungsort seiner Publika¬ 
tion von ihm zu erfahren; die Lektüre der Arbeit könnte mich 
beeinflussen, vielleicht käme ich auf einen besseren Gedanken. — 
Noch eine andere Vorbemerkung persönlicher Art sei an 
dieser Stelle gestattet. Hermann Aubert sagt einmal: „Wer in 
„einer Sache recht hat, und wer um dieselbe das meiste Ver-
        

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