Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/63/
Erstes Kapitel. Experim. Ermittlung d. Funktion d. Querdisparation. 49 
§ 3. 
Das Haploskop gestattet aber nicht allein in bequemer Weise 
die Variierung des Fadenabstandes, sondern es ermöglicht auch 
die Veränderung des Akkommodationszustandes bei gleichbleibender 
Konvergenz. Hiervon wird bei folgendem Versuche Gebrauch 
gemacht. 
Die Gleitschienen werden zunächst in diejenige symmetrische 
Stellung gebracht, welche als die für die Vereinigung bequemste 
empfunden wird, wenn die Rahmen bei 300 stehen, d. h. 300 mm 
von den bezüglichen Spiegeln entfernt sind. Bei den Vpn. J, 
und W. befindet sich der Doppelfaden am rechten Rahmen, der 
Einzelfaden am linken Rahmen, bei der Vp. G. verhält es sich 
umgekehrt. Man entfernt nun die Rahmen, indem man von 
der Stellung 150 ausgeht, von den Spiegeln; ist man bis an das 
Ende der Skala gelangt, so werden die Rahmen den Spiegeln 
wieder genähert, bis die Stellung 150 abermals erreicht ist. Die 
Beobachtung wird bei einer ersten Gattung von Versuchen während 
der — möglichst gleichmäfsigen, nicht zu schnellen und symme¬ 
trischen — Bewegung der beiden Rahmen nicht ausgesetzt. 
Das ganz konstante Ergebnis dieser Versuche besteht nun 
darin, dafs im Verlaufe der Bewegung bei relativ 
kleinem Abstand der Rahmen von den Spiegeln der 
Faden b\ bei relativ grofsem Abstand dagegen der 
Faden a' vorsteht. Regelmäfsig findet — sowohl während 
der Bewegung auf die Spiegel zu, wie während der Bewegung 
von den Spiegeln weg — an irgendeiner Stelle ein einmaliger 
Umschlag statt, und dieser Umschlag ist ein ganz plötzlicher. 
Nur wenn der Abstand zwischen den Fäden a und b sehr klein 
ist (1—2 mm), bleibt der Faden V auch beim gröfstmöglichen 
Abstand der Rahmen in der Regel vorn. 
Alle eben geschilderten Phänomene zeigen sich im allge¬ 
meinen auch dann, wenn dem linken Auge der Vp. das Faden¬ 
paar, dem rechten Auge der Einzelfaden dargeboten wird. Die 
Erscheinungen zeigen aber dann bei Fri. W. weder dieselbe 
Konstanz des Auftretens noch den gleichen Deutlichkeitsgrad 
wie bei der umgekehrten Art der Darbietung. Wird dem linken 
Auge das Fadenpaar, dem rechten Auge der Einzelfaden dar¬ 
geboten, so verhält es sich nicht ausnahmslos so, dafs während 
der Bewegung in den dem Spiegel nahen Stellungen der rechte, 
Zeitschrift für Psychologie. Erg.-Bd. VI. 4
        

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