Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/463/
Viertes Kapitel. Anwendung der raumpsychologischen Untersuchung usw. 449 
psychologisch - neurologischen Grenzgebietes dürfte es sein, zu 
untersuchen, ob der k. G. E. analoge Störungen in der dritten 
-Dimension parallel gehen). 
Kovariantenphänomene finden sich nicht nur in den beiden 
ersten Dimensionen, sondern auch in der dritten Dimension. 
Ganz analog der orthogonen Lokalisationstendenz in der dritten 
Dimension ist in den beiden ersten Dimensionen die — z. B. bei 
den Versuchen von Hofmann und Bielschowsky — hervor¬ 
tretende Tendenz, Linien für vertikal bzw. horizontal zu halten. 
Die letztgenannte Tendenz spielt bei den Kovariantenphänomenen 
in den beiden ersten Dimensionen eine ganz analoge Rolle wie 
die orthogone Lokalisationstendenz bei den Kovarianten¬ 
phänomenen in der dritten Dimension. — 
Die Lehre von der Heterogenität der dritten Dimension einer¬ 
seits, der beiden ersten Dimensionen anderseits entstammt offen¬ 
bar dem tief eingewurzelten Vorurteil, dafs die Gesichtswahr- 
nehmung eine Art Kopie des Netzhautbildes darstelle. Für den 
Fall der dritten Dimension liegt die Unhaltbarkeit einer derartigen 
Auffassung natürlich klar zutage, da ja das Netzhautbild flächen¬ 
haft ist; somit führt das in Rede stehende Vorurteil mit Not¬ 
wendigkeit dahin, dafs für die dritte Dimension ganz andere 
Entstehungsbedingungen angenommen werden als für die beiden 
ersten Dimensionen. Ich glaube nicht, dafs ein Beobachter, der 
von dem Bau des Auges und von der Existenz des Netzhautbildes 
gar nichts wüfste, auf Grund der rein phänomenologischen Be¬ 
obachtung, welche ja aller psychologischen Forschung in erster 
Linie zugrunde gelegt werden mufs, auf den Gedanken von der 
psychologischen Heterogenität der drei Dimensionen kommen 
würde. 
Viertes Kapitel. 
Anwendung der raumpsychologischen Untersuchung auf ein¬ 
zelne Probleme aus der Lehre von den psychologischen Grund¬ 
lagen unseres Weltbildes. 
§ 1. 
Christoph Sigwart beginnt in seiner bedeutenden „Logik“ 
■die Analyse des Dingbegriffes folgendermafsen :1 
1 Ich zitiere nach der 2. Aufl. (Freiburg 1893 II. Bd., S. 116). 
Zeitschrift für Psychologie. Erg.-Bd. VI. 29
        

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