Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/412/
398 Zweiter Abschnitt. Scheinbare Gröfse u. psychologische Grundlagen usw. 
vollzieht sieh nämlich nur in ganz unmittelbarem Anschlufs an 
den Zuruf „Jetzt“ ; ist der Zuruf verklungen, so bleibt die Be¬ 
wegung in der Luft stehen und verliert sich. Auch vollzieht 
sich die Bewegung viel langsamer als dann, wenn er beim Hand¬ 
bewegungsversuch wirklich von oben nach unten schlägt. — Frl. 
K. sieht bei den Versuchen mit Zuruf im Gesichtsfeld über¬ 
haupt nichts. 
Von weiteren Einzelheiten, die für die Deutung des Phä¬ 
nomens nicht ganz belanglos sind, mag noch folgendes angeführt 
werden. Wird der Handbewegungsversuch das eine Mal mit ge¬ 
schlossenen Augen, das andere Mal mit geöffneten Augen aus¬ 
geführt, so ist bei Frl. K. die Erscheinung bei geöffneten Augen 
„deutlicher“, bei Herrn W. „unvergleichlich deutlicher“ als im Ver¬ 
gleichsfalle. In diesem Sinne fällt der Versuch auch dann aus, 
wenn im Falle der Beobachtung mit offenen Augen zwischen 
das Antlitz der Vp. und die bewegte Hand eine Pappscheibe ge¬ 
bracht wird. Ein wirkliches Eindringen von Lichtstrahlen — 
woran man im Falle der Beobachtung mit offenen Augen zu¬ 
nächst denken könnte — kann also für die gröfsere Deutlich¬ 
keit der Erscheinung in diesem Falle nicht verantwortlich ge¬ 
macht werden. 
Wird die Bewegung das eine Mal kontinuierlich, das andere 
Mal diskontinuierlich ausgeführt, indem die Hand im letzteren Falle 
immer eine Strecke weit bewegt und darauf stillgehalten wird, so 
ist die Erscheinung bei Herrn W. im Falle der kontinuierlichen 
Bewegung deutlicher, d. h. es wird mit sehr viel gröfserer sinnlicher 
Lebhaftigkeit wahrgenommen, dafs im Gesichtsfeld etwas erscheint. 
Dagegen erscheint der Fall der diskontinuierlichen Bewegung in¬ 
sofern begünstigt, als hier zuweilen ein ganz schematischer Um¬ 
rifs des vor den Augen bewegten Körperteils, nämlich der Vor¬ 
sprung des Kockärmels unterhalb des Handgelenks gesehen wird, 
ein Fall, der bei der kontinuierlichen Bewegung nicht vorkommt. 
Die Frage, ob die schematisch gesehene Gestalt heller oder 
dunkler als die Umgebung gesehen wird, kann nie mit Bestimmt¬ 
heit beantwortet werden. Bei Frl. K. und mir selbst besteht der 
Unterschied zwischen der kontinuierlichen und der diskontinuier¬ 
lichen Bewegung nur darin, dafs die Erscheinung im letzteren 
Falle weniger deutlich ist. 
Herr Dr. W. erhält einen 1,20 m langen Holzstab. Er be¬ 
wegt den Stab, indem er die Hände, die den Stab umfassen,
        

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