Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/41/
Erstes Kapitel. Experim. Ermittlung d. Funktion d. Quer disparation. 27 
auch dann liefs sich eine eindeutige und ausnahmslose funktio¬ 
neile Abhängigkeit zwischen dem Grad der Neigung des objektiv 
veränderten Fadens und der Deutlichkeit der Erscheinung nicht 
mit Sicherheit konstatieren. 
Die oben erwähnte Beobachtung, wonach das Phänomen bei 
Verteilung der Aufmerksamkeit über sämtliche Fäden deutlicher 
zu sein scheint als bei sukzessiver Erfassung der Fäden durch 
die Aufmerksamkeit, wird durch Angaben der Vpn., welche z. T. 
ganz spontan gemacht werden, bestätigt. Die Vermutung liegt 
nicht fern, dafs die im vorstehenden hervorgehobene Labilität 
des Phänomens mit dem jederzeit variablen und nicht selten von 
Moment zu Moment wechselnden Verhalten der Aufmerksamkeit 
zusammenhängt. 
Die Tatsache, dafs das Vorhandensein des Vorsatzschirmes 
der Deutlichkeit des Phänomens förderlich ist, wird von den Vpn. 
bei gelegentlich angestellten Parallelversuchen gleichfalls bemerkt 
und hervorgehoben. 
§ 3. 
Nach Hering mufs die Lokalisation eines Punktes relativ 
zur Kernfläche — um in der jüngeren Terminologie seiner Schule 
zu reden — „als physiologische Funktion eines bestimmten Netz¬ 
hautstellenpaares“ aufgefafst werden. Fixiere ich einen Punkt a 
im Aufsenraum, so wird ein seitlich von a und in derselben 
Höhe mit ihm gelegener Punkt b in der durch den Fixierpunkt 
gehenden Kernfläche zu liegen scheinen, den „Tiefenwert 0“ be¬ 
sitzen, wenn der Winkel zwischen der nach b vom rechten Auge 
ausgezogenen Richtungslinie mit der Gesichtslinie dieses Auges 
den ganz bestimmten Betrag ß, der entsprechende Winkel im 
linken Auge den ganz bestimmten Betrag ß* besitzt. Durch das 
Winkelpaar ß und ß* ist der Tiefenwert eines Punktes bestimmt; 
im vorliegenden Fall besitzt dieser Tiefenwert den speziellen Be¬ 
trag 0. Ordnen wir dagegen dem Winkel ß im einen Auge den 
von ß‘ verschiedenen Winkel ß" zu, so werden „nichtkorrespon¬ 
dierende“, „querdisparate“ Netzhautpunkte gereizt, und der 
den Winkeln ß und ßlt entsprechende Aufsenpunkt b' liegt nicht 
mehr in der Kernfläche, sondern er besitzt — je nach der Rich¬ 
tung der Differenz zwischen ß‘ und ß° — einen positiven oder 
negativen Tiefenwert ; der Punkt b' liegt m. a. W. entweder hinter 
oder vor der Kernfläche.* Die Gröfse seines Abstandes von der
        

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