Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/392/
378 Zweiter Abschnitt. Scheinbare Gröfse u. psychologische Grundlagen >mw. 
wohl vereinbar, wenn man annimmt, dafs die Wahrnehmung der 
gesteigerten Eindringlichkeit und diejenige der gesteigerten 
Sättigung ähnliche, und darum der Verwechslung ausgesetzte 
Vorgänge sind, dafs m. a. W. in dem ersten und dem letzten 
Vorgang ein oder mehrere übereinstimmende Partialprozesse ent¬ 
halten sind. 
Derselbe Gedankengang, welcher von dem komplexen Beobach¬ 
tungsresultat hinsichtlich der SättigungsVerhältnisse Rechenschaft 
gibt, vermag auch den komplexen Tatbestand hinsichtlich der Hellig¬ 
keitsverhältnisse verständlich zu machen. Auch bei grauen Vor¬ 
lagen wird, ganz ebenso wie bei farbigen Vorlagen, nach längerer 
Beobachtung ausgesagt, „eigentlich“ werde nur der „Gesamtgegen¬ 
satz zwischen Objekt und Grund“ eindringlicher. Aber trotz¬ 
dem besteht auch hier eine starke Tendenz, diese Veränderung 
dahin zu interpretieren, dafs bei Mikropsie ein dunkles Objekt 
auf hellem Grunde dunkler, ein helles Objekt heller erscheine 
als bei Makropsie. Diese Tendenz macht sich wiederum besonders 
stark am Anfang der Versuche geltend, hört aber auch später¬ 
hin, wenn die „eigentliche“ Veränderung bereits erkannt ist, 
nicht auf, ihre Wirksamkeit zu entfalten. Bei mir persönlich ist 
sogar die Tendenz, bei farblosen Objekten das „Eindringlicher¬ 
werden des Gesamtgegensatzes“ als eine Helligkeitsänderung des auf¬ 
geklebten Objektes zu interpretieren, sicher stärker als die Tendenz, 
welche bei farbigen Objekten dahin wirkt, die Eindringlichkeitsände¬ 
rung als eine Änderung der Sättigung aufzufassen ; denn während 
die letztere Tendenz bei mir ausbleibt, nachdem die „eigentliche“ 
Veränderung oft und mit Aufmerksamkeit beobachtet worden ist, 
macht sich die erstere Tendenz auch bei längerer Fortsetzung 
der Versuche immer wieder von neuem geltend. Bei den Ver¬ 
suchen Kosters scheinen die Vpn. sogar nur unter dem Ein- 
flufs dieser Tendenz geurteilt zu haben. 
Die Tatsache, dafs eine Tendenz besteht, die eigentlich statt- 
findende Änderung, nämlich die Eindringlichkeitsände¬ 
rung des Gesamtgegensatzes, als eine Helligkeitsänderung auf¬ 
zufassen, wird wieder — ganz wie in dem oben besprochenen 
analogen Falle — verständlich durch die Annahme, dafs die 
Wahrnehmung von Eindringlichkeitsunterschieden und diejenige 
von Helligkeitsunterschieden ähnliche, und darum der Ver¬ 
wechslung ausgesetzte Vorgänge sind, dafs m. a. W. in dem 
ersteren und in dem letzteren Vorgang ein oder mehrere über-
        

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