Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/391/
Erstes Kapitel. Neue Untersuchungen über das Koster sehe Phänomen. 377 
somit der Durchschnittswert der Seitenabstände der einzelnen 
Punkte vom jeweils fixierten Punkte beim mikropisch gesehenen 
Objekt hier gröfser ausfallen mufs als beim makropisch ge¬ 
sehenen, so läfst sich in diesem Spezialfalle der Unterschied des 
Durchschnittswertes der Seitenabstände in den beiden Konstella¬ 
tionen für das Auftreten des K. Ph. sicher nicht verantwortlich 
machen. 
2. Es hat sich also herausgestellt, dafs die Bedingungen für 
die deutliche Perzeption der Gesichtseindrüeke bei der Konver¬ 
genz für die Nähe günstiger sind als bei derjenigen für die Ferne. 
Mit dieser Tatsache stehen auch die Einzelheiten der von uns 
beobachteten Erscheinungen in vollem Einklang. Träte bei der 
*• M = 
Änderung der Konvergenz eine einfache Änderung der Nuance, 
Sättigung oder Helligkeit ein, so wäre eine solche Abhängigkeit 
* • _ 
schwer zu verstehen. Die Änderungen, welche bei unseren Hap- 
loskopversuchen auftreten, sind nun aber gar nicht von dieser 
Art ; der Tatbestand ist ein weit komplexerer. Die Vp. erklärt 
die Farbe anfangs für relativ stark oder relativ schwach gesättigt, 
je nachdem die Konvergenz relativ stark oder relativ schwach 
ist. Nach oft wiederholter Beobachtung wird diese Angabe da¬ 
hin korrigiert, dafs die Farbe bei Zunahme der Konvergenz 
eigentlich gar nicht gesättigter, sondern nur eindring¬ 
licher werde. 
Die Eindringlichkeit oder Aufdringlichkeit einer 
Farbe kann sich also ändern, ohnedafs sich ihre 
Nuance, Helligkeit oder Sättigung ändert; ein und 
dieselbe Farbe kom nrt in verschiedenen Graden der 
Eindringlichkeit oder Aufdringlichkeit vor, dieu. a. 
an die verschiedenen Konvergenzgrade geknüpft erscheinen. Es 
ist also der „erregende Einflufs auf das Allgemein- 
bewufstsein“, der sich ändert. 
Als „komplex“ bezeichneten wir den Tatbestand darum, weil 
• •* 
die Änderung der Eindringlichkeit oder Aufdringlichkeit, welche 
„eigentlich“ allein gegeben ist, gleichzeitig eine Tendenz herbei- 
• » 
führt, eine Änderung der Sättigung zu konstatieren, — eine Ten¬ 
denz, welche sich besonders am Anfang der Versuche zeigt, aber 
auch späterhin nicht gänzlich verschwindet. Die Tatsache, dafs 
eine solche Tendenz besteht, erscheint mit der Angabe, dafs 
„eigentlich“ nur eine Eindringlichkeitsänderung vorliegt, sehr
        

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