Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/383/
Erstes Kapitel. Neue Untersuchungen über das Kostersche Phänomen. 369 
bei der Mikropsie auftritt, im Falle der objektiv geringeren 
Helligkeitsdifferenzen „auffälliger und frappanter“ sei als im 
Falle der objektiv gröfseren Helligkeitsdifferenzen. Eine ganz 
exakte und zahlenmäfsige Behandlung des Problems dürfte darum 
auf Schwierigkeiten stofsen, weil das K. Ph. nach einer gröfseren 
Anzahl von Darbietungen in einer Sitzung an Deutlichkeit über¬ 
haupt erheblich nachzulassen pflegt. 
Ich selbst habe mich an einer Reihe von Versuchstagen den¬ 
selben Beobachtungen unterzogen, und zwar verwandte ich hier¬ 
bei sowohl die Karten, auf denen das Objekt dunkler ist als der 
Grund, als auch diejenigen, auf denen das Objekt den Grund 
an Helligkeit übertrifft. Meine eigenen Beobachtungen hierbei 
decken sich mit denen von Herrn B. 
Von den eben mitgeteilten Beobachtungen aus erscheint die oben er¬ 
wähnte Sonderstellung des schwarzen Objektes einigermafsen begreiflich. 
Wenn allein im Falle des schwarzen Objektes Ausnahmen von der Regel 
Vorkommen, wonach das dunkle Objekt auf hellerem Grunde bei Mikropsie 
dunkler erscheint als bei Makropsie, so ist auf zweierlei hi*: zu weisen. 
Einerseits ist die objektive Helligkeitsdifferenz zwischen Objekt und 
Grund im Falle G IV auf G I besonders grofs, gröfser als in den anderen 
Fällen. Anderseits sprechen die eben mitgeteilten Versuche in dem Sinne, 
dafs das K. Ph. im Falle objektiv kleinerer Helligkeitsdifferenzen deut¬ 
licher ausgesprochen zu sein pflegt als im Falle objektiv gröfserer Hellig¬ 
keitsdifferenzen. Hält man diese beiden Prämissen zusammen, so erscheint 
die Sonderstellung des schwarzen Objektes begreiflich. 
Mehr gelegentlich stellte ich auch Versuche unter Veränderung 
der Beleuchtungsstärke an. Als Lichtquelle dient eine Glühlampe ; 
die Variierung der Lichtstärke wurde durch Änderung des Leitungs¬ 
widerstandes bewerkstelligt. Der KosTEEsche Versuch wurde nun 
in möglichst schnellem Wechsel, bald bei stärkerer, bald bei 
schwächerer Intensität der Lichtquelle vorgenommen. Obwohl 
meine diesbezüglichen Versuche zu wenig zahlreich sind, um un¬ 
bedingt zuverlässige Schlüsse zu gestatten, so glaube ich doch 
mit Sicherheit sagen zu können, dafs das K. Ph. bei Anwendung 
relativ geringer Beleuchtungsstärke deutlicher in Erscheinung 
tritt als bei relativ grofser. Diese Beobachtungen stehen in 
vollem Einklang mit den Ergebnissen, welche ich erhalten hatte, 
als ich nacheinander Karten darbot, auf denen die Helligkeits¬ 
differenz zwischen Objekt und Grund bald gröfser, bald kleiner 
war; jene Beobachtungen bei Variierung der Beleuchtungsstärke 
lassen sich ganz ungezwungen auf die eben genannten Beobach- 
Zeitschrift für Psychologie. Erg.-Bd. VI. 24
        

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