Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/382/
368 Zweiter Abschnitt. Scheinbare Gröfse u. psychologische Grundlagen usw. 
anderseits bei der modifizierten Versuchsmethode auftreten, sind 
so gleichartig, dafs ein zusammenfassender Bericht über die mit 
beiden Methoden erzielten Ergebnisse gestattet ist. Wir möchten 
uns jedoch bezüglich der Deskription der Phänomene nicht damit 
begnügen, einfach auf die Arbeit Kostees oder auf unsere eigenen 
früheren Ausführungen zu verweisen, weil wir den deskriptiven 
Teil dieser Arbeiten in einigen Punkten ergänzen zu müssen 
glauben. 
Wenn wir zunächst von dem Objekte G IV auf G I absehen, 
so gilt allgemein Folgendes: Ist das kleine Objekt heller als der 
Grund, so erscheint es bei Mikropsie heller, ist es dunkler als 
der Grund, so erscheint es bei Mikropsie dunkler. Das „schwarze“ 
Objekt G IV auf dem Grunde G I erscheint fast ausnahmslos 
bei Mikropsie schwärzer, bei Makropsie „mehr graulich“ ; es darf 
jedoch nicht unerwähnt bleiben, dafs das Objekt in diesem Falle 
einigemale bei Makropsie für etwas schwärzer erklärt wurde als 
bei Mikropsie; allerdings war das Urteil in diesen Fällen nach 
der spontanen Aussage der Vp. nicht sehr sicher. Diese Fälle 
waren die einzigen, in denen das Urteil nicht im Sinne des 
KosTERschen Gesetzes erfolgte. 
Überläfst man die Vp. ganz sich selbst, so bezieht sie ihr 
Urteil, wenigstens anfangs, stets auf das kleine Feld (nicht auf 
den Grund), indem sie dasselbe im Falle der Mikropsie für heller, 
dunkler oder gesättigter erklärt als im Falle der Makropsie. 
Fragte ich ausdrücklich nach der Gröfse der Helligkeits d i f - 
ferenz zwischen Objekt und Grund, so wurde die Heiligkeits¬ 
differenz im Falle der Mikropsie ausnahmslos für gröfser erklärt. 
Ausschliefslich mit Hilfe der ursprünglichen KosTERschen 
Methode suchte ich auch der Frage etwas näher zu treten, wTie 
es sich mit der Änderung der Helligkeitsdifferenz verhält, wenn 
die objektive Helligkeitsdifferenz zwischen Objekt und Grund 
einmal relativ klein und ein andermal relativ grofs ist. Bei 
B. wurden für diesen Untersuchungszweck nur diejenigen Karten 
benutzt, bei denen das Objekt dunkler ist als der Grund. Die 
drei verschiedenen Objekte wurden an mehreren Versuchstagen 
in zufälliger Reihenfolge möglichst schnell hintereinander darge¬ 
boten und zwar so, dafs dasselbe Objekt nie mehrmals hinterein¬ 
ander an die Reihe kam. Die Vp. sagte nach einem Paar von 
Darbietungen fast stets aus, dafs die Erscheinung des Wachs¬ 
tums der Helligkeitsdifferenz zwischen Objekt und Grund, welche
        

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