Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/334/
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____ ^ • • 
Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenivahrnehmung. 
dabei immer oder oft1 bei einer derjenigen Verhaltungsweisen, 
die wir als „impressionistische Sehweisen“ bezeichneten. Dem¬ 
nach hätten überhaupt erst die Impressionisten die Aufsenwelt 
so dargestellt, wie sie im Augenblicke der ästhetischen Apper¬ 
zeption in der Hegel gesehen wird, während die älteren Künstler 
die Welt so wiedergegeben hätten, wie sie sich im Augenblicke 
der nicht-ästhetischen, sondern der beobachtenden Apperzeption 
darstellt. Der Impressionismus würde somit innerhalb der 
Entwicklungsreihe, welche auf eine immer reinlichere Heraus¬ 
arbeitung und Abscheidung der wissenschaftlichen Interessen 
einerseits, der ästhetischen Interessen andererseits hindrängt2, 
einen grundlegenden Fortschritt darstellen. Impressionismus 
würde also gar nicht eigentlich „Malerei des Zwischenmediums“, 
sondern vielmehr „Malerei beim ästhetischen Verhalten gegen¬ 
über den Sehdingen“ sein, insofern als gar nicht die Dar¬ 
stellung der Atmosphäre als solche, sondern vielmehr die Dar¬ 
stellung der Sehdinge beim ästhetischen Verhalten das eigent¬ 
lich Wertvolle und Intendierte wäre. Malerei des Zwischen¬ 
mediums wäre der Impressionismus gleichzeitig nur darum, 
wTeil die ästhetische Verhaltungsweise der Aufmerksamkeit 
oft oder immer mit derjenigen Verhaltungs weise verkoppelt 
ist, die zur deutlichen Wahrnehmung der gefärbten Atmosphäre 
führt. 
Die zunächst hypothetisch aufgestellte Annahme, dafs die 
„impressionistischen Sehweisen“ besonders leicht zur ästhetischen 
Apperzeption führen, während die sukzessiv beobachtende Ver¬ 
haltungsweise dem Auftreten der ästhetischen Apperzeption 
ungünstig ist, entspricht nun aber, wie mir scheint, der Wirk¬ 
lichkeit. — Das ästhetische Gebiet ist experimentell noch relativ 
wenig durchforscht, und es liegt uns fern zu verhehlen, dafs in 
der in Rede stehenden Frage noch manche Einzeluntersuchung 
erforderlich werden wird. Immerhin läfst sich, wie mir scheint, 
die Frage, ob das Auftreten der ästhetischen Apperzeption durch 
die impressionistischen Sehweisen in besonderem Mafse gefördert, 
durch die sukzessiv ' beobachtende Verhaltungsweise in beson- 
1 Wir lassen also ausdrücklich die Möglichkeit offen, dafs es aufser 
den impressionistischen Sehweisen noch andere Verhaltungsweisen geben 
könne, die der ästhetischen Apperzeption günstig sind. 
2 Bei den alten Meistern sind dieselben am wenigsten scharf ge¬ 
schieden (vgl. 3. Kap.).
        

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