Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/33/
Erstes Kapitel. Experim. Ermittlung d. Funktion d. Querdisparation. 19 
Lageänderung des objektiv unveränderten Seitenfadens, und somit 
die Deutlichkeit des Kovariantenphänomens gesteigert. Aber nicht 
nur in diesem quantitativen, sondern auch im qualitativen 
Sinne hatte das Phänomen eine Steigerung seineï 
Deutlichkeit erfahren, insofern als sich auch in denjenigen 
Fällen, in denen der unveränderte Faden schon bei ungezwungenem 
Verhalten ebensoweit vor- bzw. zurückzutreten schien wie der tat¬ 
sächlich veränderte, die Scheinänderung mit viel gröfserer sinn¬ 
licher Evidenz auf drängte, so dafs auch die „Entschiedenheit und 
Bestimmtheit“, mit der ich mein Urteil abgeben konnte, durch die 
kollektive Auffassung der Seitenfäden eine Steigerung erfuhr. 
Bemühte ich mich nun umgekehrt, die beiden unveränderten 
Fäden — also den Mittelfaden und den objektiv unver¬ 
änderten Seitenfaden — kollektiv aufzufassen, den objektiv ver¬ 
änderten Seitenfaden dagegen nur nebenher zu beachten, so 
nahm selbst ein bei ungezwungenem Verhalten ganz ausge¬ 
sprochenes Kovariantenphänomen regelmäfsig an quantitativem 
Betrag und an Deutlichkeit ab, oder — ein Fall, der auch zu¬ 
weilen vorkam — es verschwand gänzlich. Kollektive Auffassung 
der beiden unveränderten Fäden hatte also eine Verminderung 
der Deutlichkeit des Kovariantenphänomens oder eine Aufhebung 
desselben herbeigeführt. Je mehr es mir gelang, mich in die 
beiden Seitenfäden und die von ihnen bestimmte Ebene, welche 
bei kollektiver Auffassung der Seitenfäden mitbeachtet wird, mit 
der Aufmerksamkeit zu „versenken“ — wenn ich so sagen darf — 
um so deutlicher schien das Kovariantenphänomen zu werden; 
und umgekehrt, je mehr es mir gelang, mich mit der Aufmerk¬ 
samkeit in die unveränderten Fäden und die von ihnen be¬ 
stimmte Ebene zu „versenken“, um so undeutlicher schien das 
Kovariantenphänomen zu werden. 
Nunmehr wurde auch Herr G. aufgefordert, das eine Mal 
die beiden Seitenfäden kollektiv aufzufassen, das andere Mal bei 
ungezwungenem Verhalten zu beobachten1 6 und zu beschreiben, 
1 Versuche mit kollektiver Auffassung der objektiv unveränderten 
Fäden habe ich mit Herrn G. nicht angestellt. Auf diese Fragestellung 
wurde ich erst zu späterer Zeit aufmerksam; Herr G. hatte Göttingen be¬ 
reits verlassen. Zu der Zeit, in der ich die im vorliegenden Teile be¬ 
schriebenen Versuche an den Vpn. C. und G. anstellte, befand ich mich 
hinsichtlich der Deutung des Kovariantenphänomens noch in völliger Un- 
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klarheit. Ich untersuchte einfach diejenigen Erscheinungen, welche sich 
mir bei meinen eigenen Beobachtungen aufgedrängt hatten. 
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