Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/294/
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Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
liehen leeren Raumes ist. Es bedarf nun aber wohl keines be¬ 
sonderen Beweises, dafs dieser leere Raum die Aufmerksam¬ 
keit um so weniger auf sich ziehen wird, je geringer die sinn¬ 
liche Deutlichkeit und Lebhaftigkeit ist, mit der er wahrge- 
nommen wird. 
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III. Uber die psychische Repräsentation des leeren 
Raumes. 
§L 
Die soeben hervorgehobene Paradoxie löst sich jedoch in ein¬ 
fachster Weise auf. Die Erscheinungen bei den Versuchen mit 
der Ecke liefsen sich in dem Gesetz zusammenfassen, dafs alle 
Faktoren, die die Hinwendung der Aufmerksamkeit auf den 
leeren Raum begünstigen, der Deutlichkeit und der Färbung 
des Zwischenmediums förderlich sind. Bei den'Küvettenversuchen 
mit Dauerbetrachtung geht die Deutlichkeit des Zwischenmediums 
der Deutlichkeit des Tiefeneindrucks parallel. 
Diese Tatsachen stehen in vollem Einklang mit dem für die 
Ecken gefundenen Gesetz ; um das zu erkennen, mufs man aller¬ 
dings die Aussage jenes Gesetzes in zwei Partialaussagen zer¬ 
legen: 1. alle Faktoren, die die Hinwendung der Aufmerksamkeit 
auf das Zwischenmedium begünstigen, lassen das Zwischen¬ 
medium deutlicher sichtbar werden, während bei ausschliefs- 
licher Beachtung der begrenzenden Objekte im Zwischenraum 
im eigentlichsten Sinne „nichts“ gesehen wird, 2. dieses deutlich 
sichtbare Zwischenmedium erscheint gefärbt. 
Fassen wir nun einmal ausschliefslich die erste Partialaus¬ 
sage oder — wie wir uns jetzt lieber ausdrücken wollen — das 
erste Gesetz ins Auge, so ist zu sagen, dafs dasselbe durch die 
Küvettenversuche nicht nur nicht widerlegt, sondern im Gegen¬ 
teil von neuem bestätigt wird. Alle Faktoren, die bei den 
Küvettenversuchen mit Dauerbetrachtung die Deutlichkeit des 
Tiefeneindrucks begünstigen, begünstigen, wie wir sahen, auch 
die Deutlichkeit des Zwischenmediums. Dies ist eine Tatsache 
der Beobachtung; es ist aber auch verständlich, warum es sich 
so verhält. Das Auftreten eines Faktors, der bei Dauerbetrach¬ 
tung die Deutlichkeit des Tiefeneindrucks, und damit die des 
Zwischenmediums begünstigt, ist gleichbedeutend mit dem Auf-
        

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