Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/286/
272 Erster Abschnitt. Über das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
des Zwischenin ediums anznsprechen als „farblose 
Helligkeit mit einem leichten Stich in dieFarbe des 
Hintergrundes.“ Stets nimmt diese farbige Bei¬ 
mischung zu, wenn der Abstand gesteigert wird, da¬ 
bei aber unterhalb eines gewissen Grenzwertes bleibt. 
Die fortgesetzte Zunahme der farbigen Beimischung 
bedingt eine fortgesetzte Abnahme des Unterschieds 
zwischen der Färbung des Zwischen medium s und der¬ 
jenigen des Hintergrunds bzw. der-Flüssigkeit. Wird 
der Abstand über einen gewissen Grenzwert hinaus 
gesteigert, so kann eine weitere Zunahme der 
farbigen Beimischung und eine weitere Abnahme 
des Unterschieds zwischen der Farbe des Zwischen¬ 
mediums und derjenigen der Flüssigkeit nichtmehr 
ein treten. 
Bevor die Erscheinungen geschildert werden können, welche 
bei der Erreichung des eben genannten oberen Grenzwertes auf- 
treten, mufs hervorgehoben werden, dafs der Tiefeneindruck, d. h. 
die Wahrnehmung des Abstandes zwischen dem Mittelfaden und 
der Ebene der Seitenfäden, nach Mafsgabe der Zunahme des 
Abstandes zwischen der Yp. und dem Beobachtungsobjekt an 
sinnlicher Deutlichkeit abnimmt. Auch die sinnlicheDeut- 
lichkeit des Zwischenmediums nimmt ab, während 
die Entfernung zwischen derVp. und dem Beobach¬ 
tun g sobjekt zunimmt. Bei der Steigerung des Ab¬ 
standes zwischen der Vp. und dem Beobachtungsob¬ 
jekt verschwindet die Wahrnehmung des Zwischen¬ 
mediums stets früher als die Wahrnehmung des 
Tiefenunterschiedes; immer läfst sich somit ein Abstand 
finden, bei welchem die Vp. zwar kein Zwischenmedium sieht, 
dagegen mit Bestimmtheit wahrnimmt, dafs der mittlere Faden 
vor den beiden anderen Fäden steht. Hierbei bildet — was aus¬ 
drücklich hervorgehoben werden mag — der Eindruck, dafs der 
Mittelfaden vorn steht, den Inhalt einer wirklichen sinnlichen 
Wahrnehmung, nicht den eines blofsen vorstellungsmäfsigen 
Wissens. 
Bei dem Abstand, jenseits dessen eine weitere Zunahme der 
Farbigkeit des Zwischenmediums nicht mehr stattfinden kann, 
treten ganz verschiedenartige Eindrücke auf, und zwar kommen 
folgende Fälle vor.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.