Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/28/
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Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
der objektiven Einstellungsänderung erwartet; der objektiv ver¬ 
änderte Seitenfaden scheint also weiter vor- bzw. hinter dem 
Mittelfaden zn liegen als der objektiv unveränderte. Aber auch 
in diesem zweiten Falle, den ich mit „b“ bezeichne, ist das Vor¬ 
oder Zurücktreten des mittleren Fadens im allgemeinen die augen¬ 
fälligste Veränderung. „Der Tiefenunterschied zwischen den 
„beiden Seitenfäden“, so sagt Herr G. aus, „ist in den Fällen, 
„wo er überhaupt da ist, stets kleiner als der Tiefenunterschied 
„zwischen jedem von beiden Seitenfäden und dem Mittelfaden.“ 
Fall „b“ kommt bei Herrn C. 17 mal, bei Herrn G. 30 mal vor. 
Ein weiterer Fall (Fall „c“) ist der, dafs zwar der mittlere 
vor- oder zurücktritt, dafs sich aber über das Lageverhältnis der 
Seitenfäden zueinander gar keine eindeutige Angabe machen läfst. 
Bei C. kam dieser Fall 9 mal, bei G. nur einmal vor. 
Ganz vereinzelt kommen noch einige andere Fälle vor. G. 
hat einmal anfangs bestimmt den Eindruck des Falles „a“, nach 
einiger Betrachtungsdauer dagegen den bestimmten Eindruck des 
Falles „b“. In ähnlicher Weise wird bei C. der Eindruck des 
Falles „b“ nach einiger Betrachtungszeit abgelöst durch den Ein¬ 
druck, dafs die beiden objektiv unbewegten Fäden in der 
Kernfläche bleiben, der bewegte Faden seine Lage ändert. Am 
paradoxesten erscheinen folgende, wiederum ganz vereinzelt 
vorkommende Fälle. Die Lage des mittleren Fadens zeigt nichts 
Ungewöhnliches. Er tritt vor oder zurück, je nachdem der 
eine der beiden Seitenfäden vor- oder zurückbewegt wird, nach¬ 
dem die Fäden vorerst in die Kernfläche gebracht worden waren. 
Ähnlich w7ie irn Falle „b“ zeigen auch die Seitenfäden unterein¬ 
ander eine Tiefendifferenz, aber während dort der Sinn des 
Tiefenunterschiedes der auf Grund der objektiven Einstellung 
gehegten Erwartung entsprach, läuft er hier dieser Erwartung 
entgegen; der in Wirklichkeit zurückbewregte Seitenfaden scheint 
eher etwas vor dem unbewegten Seitenfaden zu stehen, und 
anderseits scheint der in Wirklichkeit vorbewegte Seitenfaden 
eher etwas hinter dem unbewegten Seitenfaden zu stehen. 
Dieser paradoxe Fall kam bei Vp. G. dreimal vor. In allen 
Fällen aber äufserte sich die Vp. bei der Angabe des Tiefen¬ 
unterschiedes der Seitenfäden sehr vorsichtig dahin, dafs es sich 
„vielleicht“ oder „wahrscheinlich“ in der angegebenen Weise ver¬ 
halte, während über das Vor- bzw. Zurücktreten des Mittelfadens 
gegenüber den beiden Seitenfäden weder jemals ein Zweifel be-
        

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