Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/275/
Sechstes Kapitel. Zur Phänomenologie des leeren Raumes usw. 261 
Zwischenmediums führende Verhaltungsweise durch die An¬ 
bringung der Fäden überhaupt noch weiter begünstigt wird, wenn 
die Aufmerksamkeit bereits im Falle der leeren Ecke dem 
Zwischenmedium zugewandt worden war. Das Recht dieser An¬ 
nahme gründet sich auf die von der Vp. gemachte Angabe, dafs 
im Falle der leeren Ecke die absichtliche Hinwendung der Auf¬ 
merksamkeit oft nicht ganz leicht gelinge, dafs es vielmehr, wenn 
anders die Forderung der Instruktion erfüllt werden soll, zu¬ 
weilen notwendig werde, sich an dem betreffenden Orte des 
leeren Raumes einen Gegenstand vorzustellen. 
In denjenigen Fällen, in denen der Eindruck der Ausfüllung 
bereits bei Darbietung der leeren Ecke auftrat, war dieser Ein¬ 
druck bei Betrachtung von einem relativ entfernten Standort aus 
deutlicher als bei Betrachtung aus der Nähe. Es liegt auf der 
Hand, dafs sich im letzteren Falle die Tendenz, die Aufmerksam¬ 
keit auf die Begrenzungsflächen hinzuwenden, in stärkerem Mafse 
geltend machen wird als im ersteren Falle, und dafs sich somit 
auch die in Rede stehende Erscheinung auf den oben angeführten 
Satz zurückführen läfst. Bei Beobachtung aus der Nähe ist ja 
das von den Begrenzungsflächen herrührende Netzhautbild gröfser, 
und die Begrenzungsflächen erscheinen auch gröfser als bei 
Betrachtung aus der Entfernung. Wird schon hierdurch die Hin¬ 
wendung der Aufmerksamkeit auf die Begrenzungsflächen be¬ 
günstigt, so kommt als ein im gleichen Sinne wirkendes Moment 
der Umstand hinzu, dafs die Gesichtsobjekte — wTie sich bei der 
im II. Abschnitt durchgeführten Analyse des KosTERschen Phä- 
nomes ergibt — bei Konvergenz für die Nähe eindringlicher sind 
als bei Konvergenz für die Ferne. 
Unscharfsehen der Begrenzungsflächen infolge von Blendung 
oder infolge vorangegangener Ermüdung des Auges begünstigt 
die Deutlichkeit der Färbung des Zwischenmediums offenbar 
darum, weil das Unscharfgesehene die Aufmerksamkeit weniger 
stark auf sich zieht als das Scharfgesehene. — 
Einigermafsen befremdend erscheint es auf den ersten Blick, 
dafs der Eindruck der Ausfüllung mit buntem Licht bei der Vp. 
im Falle der leeren Ecke überhaupt nicht deutlich zu erzielen 
war, vielmehr nur bei Anbringung der Lote auftrat, während doch 
im Falle der dunklen Ecke von der Anbringung der Lote Ab¬ 
stand genommen werden konnte. Auch diese Tatsache steht mit 
dem oben angeführten Satze in Einklang; denn die bunt be-
        

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