Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/270/
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Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
scheinung liefert, wie ich glaube, die von der Vp. oftmals — und 
zwar bei allen drei Arten der farbigen Beleuchtung — zu Pro¬ 
tokoll gegebene Beobachtung, dafs der Unterschied zwischen 
dem Falle des Vorhandenseins und demjenigen des Fehlens der 
Lote deutlicher sei, wenn im letzteren Falle — dem Falle der 
leeren Ecke — die Ecke ganz ungezwungen angesehen, als dann 
wenn der Blick und die Aufmerksamkeit auf einen Punkt des 
Zwischenmediums konzentriert werde. Somit war bei allen 
Farben, welche zur Verwendung gelangten, und ebensowohl bei 
Betrachtung aus der Nähe wie bei Betrachtung aus der Ferne, 
nach Anbringung der Lote „der Eindruck der Ausfüllung 
„so deutlich, dafs man sich ihm gar nicht entziehen, ihn gar 
„nicht hinwegdenken kann“. — 
Ganz ähnliche Ergebnisse wie bei der Beleuchtung der Ecke 
mit buntem Licht werden bei Beleuchtung mit weifsem Licht 
erhalten. Die vom Projektionsapparat ausgesandten Lichtstrahlen 
werden unmittelbar in die Ecke hineingerichtet. Der Eindruck 
der Ausfüllung mit hellem Licht ist mit voller Deutlichkeit vor¬ 
handen, wenn der Blick und die Aufmerksamkeit dem Zwischen¬ 
medium zugewandt wird; dagegen ist bei vorwiegender Beachtung 
der Wände das Vorhandensein jenes Eindrucks gar nicht, oder 
doch wenigstens nicht mit Sicherheit zu konstatieren. 
Nun werden die Lote in die Ecke hineingebracht. Der Ein¬ 
druck der Ausfüllung wird hierdurch anfangs weder deutlicher 
noch undeutlicher. Vp. gibt spontan an, die Fäden höben sich 
infolge der — nach Wegnahme der Gelatineblättchen — jetzt 
recht hellen Beleuchtung so stark vom Hintergründe ab, dafs sie 
alle verfügbare Aufmerksamkeit auf sich zögen und eine Be¬ 
achtung des Zwischenmediums nicht zuliefsen. Die Beleuchtungs¬ 
stärke wird jetzt durch Einschaltung eines Blättchens weifsen 
Pergamentpapieres in den Strahlengang herabgesetzt. Die Vp. 
gibt jetzt mit Bestimmtheit an, dafs der Eindruck der Aus¬ 
füllung mit hellem Licht bei der Anwesenheit der Lote deut¬ 
licher vorhanden sei als beim Fehlen derselben. Allerdings sei 
die Erscheinung nicht ganz so ausgesprochen wie im Falle der 
bunten Beleuchtung. 
Der Versuch mit Darbietung der Lote wird jetzt noch in 
der Weise modifiziert, dafs eine bunt beleuchtete Ecke dargeboten 
wird, welche nur zur Hälfte mit Loten ausgefüllt ist. Denkt 
man sich die Fufspunkte der Lote auf der unteren horizontalen
        

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