Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/224/
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Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
solchen Einflusses keineswegs in Abrede gestellt werden, jedenfalls 
aber tritt bei Abschwächung der hinteren Lichtquelle keine grobe 
und sinnfällige, bereits ohne genauere Einstellungen deutlich 
merkbare Erscheinung zutage. Variierung der oberen Licht¬ 
quelle dagegen hat einen deutlichen Einflufs insofern, als der 
Winkel zwischen der von den Fäden gebildeten Ebene und der 
Horizontalebene bei relativ grofser Lichtstärke relativ spitz, bei 
relativ geringer Lichtstärke relativ stumpf erscheint. Der Unter¬ 
schied ist für die Yp. und für mich selbst ganz unverkennbar. — 
Die Ersetzung eines relativ dunklen Untergrundes durch 
einen relativ hellen hat denselben Einflufs auf die Raumlage der 
Fäden wie die Ersetzung eines gleichförmigen Untergrundes 
durch einen ungleichförmigen. Jede dieser beiden Mafsnahmen 
hat zur Folge, dafs der Neigungswinkel spitzer wird (vgl. S. 210 
u. S. 208.) Da die Fäden schwarz sind, so heben sich die Fäden 
gegenüber dem Untergrund, und umgekehrt der Untergrund 
gegenüber den Fäden, stärker ab, wenn der Untergrund relativ 
hell, als dann, wenn er relativ dunkel ist. In ersterem Falle 
wird das ganze Objekt, und damit auch der Untergrund, ein¬ 
dringlicher. Hierzu kommt — und vielleicht spielt dieser Um¬ 
stand sogar die Hauptrolle — dafs hellgraue Objekte im allge¬ 
meinen eindringlicher sind als dunkelgraue. Wir werden darum 
nicht fehlgehen mit der Annahme, dafs der Untergrund die 
scheinbare Raumlage der darüber angebrachten Fäden in um so 
höherem Grade beeinflufst, je eindringlicher er ist, und je mehr 
er darum die Aufmerksamkeit auf sich zieht. 
Mit dieser Deutung steht ferner auch die Tatsache in Ein¬ 
klang, dafs der Untergrund bei höherer Beleuchtungsstärke einen 
stärkeren Einflufs auf die Raumlage der Fäden ausübt als bei 
geringerer Beleuchtungsstärke; je heller die Beleuchtung ist, um 
so stärker werden sich die Einzelheiten des Wahrnehmungs¬ 
komplexes, und damit auch der Untergrund, der Aufmerksam¬ 
keit aufdrängen. 
Endlich läfst es sich auch auf dem Wege direkter Beobachtung 
erweisen, dafs der Einflufs des Untergrundes auf die Raumlage 
der darüber angebrachten Fäden im allgemeinen um so stärker 
wird, je intensiver sich die Aufmerksamkeit dem Untergrund 
zuwendet. 
Ich selbst mache an der Versuchsanordnung, bei welcher 
das ungleichförmige Brett als Untergrund dient, folgende Be-
        

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