Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/22/
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Erster Abschnitt, über das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
der Netzhautbilder bei verschiedenen Konvergenzgraden hierdurch 
gewährleistet wird. — An der Rückseite jedes Rahmens wurde 
eine Milchglasplatte angebracht, welche als gleichförmiger Hinter¬ 
grund diente. 
Stehen die Schienen auf dem Nullpunkt der zur Ablesung 
ihrer Stellung bestimmten Skala, so bilden die Spiegel mit der 
Frontalebene einen Winkel von 45 °, wie es in der Figur gezeich¬ 
net ist. Bei dem Versuch werden zunächst die Rahmen in eine 
beliebige, aber beiderseits gleiche Entfernung von den Spiegeln 
gestellt, die Schienen auf beiderseits denselben Grad der Teil¬ 
kreise gesetzt, so dafs, wenn die Bilder von M und M1 ver- 
• • 
schmelzen, die Konvergenz eine symmetrische ist. Änderung der 
* * 
Querdisparation bedeutet nur Änderung des Unterschiedes 
der beiden Halbbilder. Man braucht also nur immer eines der 
beiden Halbbilder zu ändern, während man das andere konstant 
lassen kann. Wir lassen im Folgenden, gleichwie Hillebrand 
bei seinen Versuchen, die auf die inneren Netzhauthälften fallen¬ 
den Halbbilder, bzw. die Fäden R* und L unverändert und ver¬ 
stellen nur die Fäden R und L'. Die Abstände M L und M' R* 
machen wir gleich grofs und bewirken dadurch, dafs die mit 
dem Mittelfaden in einer Ebene erscheinenden Seitenfäden sehr 
annähernd gleichen Seitenabstand vom Mittelfaden besitzen. Als 
Fäden werden am Haploskop eigens präparierte und möglichst 
feine Haare verwendet, damit die Raumwerte der Netzhaut ihren 
Einflufs in reiner Form und unbeeinträchtigt durch Erfahrungs¬ 
motive entfalten können. — 
Bei der tatsächlichen Durchführung des Versuches, drei 
Fäden genau in die Kernfläche zu bringen, zeigte sich mir als¬ 
bald folgende eigentümliche Erscheinung : Bei den Einstellungen 
ereignete sich natürlich sehr oft der Fall, dafs ich den Eindruck 
der Ebenheit nahezu erzeugt hatte, und dafs nur noch eine ganz 
leichte Konkavität oder Konvexität zu beseitigen war. Ist die 
Konkavität (bzw. Konvexität) von der Art, dafs jeder der beiden 
Seitenfäden näher (bzw. ferner) als der Mittelfaden, also vor 
(bzw. hinter) der Kernfläche zu liegen scheint, so geht man 
natürlich an die genaueren Einstellungen mit der Erwartung 
heran, dafs beide Seitenfäden, um in der Kernfläche gesehen 
zu werden, eine Lageänderung erfahren müfsten; denn beide 
befinden sich ja zunächst aufserhalb der Kernfläche. Man wird 
also — so steht zu erwarten — sowohl den Abstand MR wie
        

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