Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/150/
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136 Erster Abschnitt. Uber das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
„Faktor (die Konvergenz) prinzipiell nicht isoliert werden kann. 
„Hingegen wird die verlangte Untersuchung ermöglicht durch 
„monokulare Akommodationsversüche, insoweit eine physiologische 
„Assoziation zwischen Akkommodation und Konvergenz besteht, 
„was aber — sobald man nicht künstliche Lösungen absichtlich 
„anstrebt — bis zu einem erheblichen und für die Untersuchung 
„jedenfalls hinreichenden Grade der Fall ist.“ 
Um die Bedeutung des Akkommodationszustandes und der 
damit verknüpften Konvergenz für die Tiefenwahrnehmung zu 
ermitteln, bediente sich Hillebrand einer Versuchsanordnung, 
bei welcher der Beobachter sicher durch keinen anderen Faktor 
als durch den Akkommodations- und Konvergenzzustand über 
die vorgelegten Tiefenwerte unterrichtet werden kann. Die Vp. 
blickt auf eine in ihrer ganzen Ausdehnung gleichmäfsig hell 
durchleuchtete Milchglasplatte, deren eine Hälfte (im horizontalen 
Sinne) dem Auge durch eine davor angebrachte und in ver¬ 
schiedener Entfernung vom Auge einstellbare Ebene von schwarzem 
Karton verdeckt wird. Durch eine geeignete Schirmvorrichtung 
ist dafür gesorgt, dafs der einäugig beobachtenden Vp. nichts 
anderes sichtbar ist als in der einen Gesichtsfeldhälfte der gleich- 
förmige Hintergrund, in der anderen das dem schwarzen Karton 
entsprechende dunkle Feld, welches von dem hellen durch eine 
scharfe Grenzlinie getrennt ist, da der Karton in einer haarscharf 
geschnittenen Kante endet. Wird jetzt der Karton in der Rich¬ 
tung der Tiefe bewegt, wobei fortgesetzt auf die das Gesichtsfeld 
halbierende Kante akkommodiert wird, so ist der Beobachter 
nicht imstande anzugeben, ob sich das Objekt genähert oder 
entfernt hat. — Durch diesen Versuch ist nach der Ansicht vieler 
die Frage, ob der Akkommodations- und Konvergenzaufwand ein 
Tiefenkriterium darstellt, endgültig im verneinenden Sinne ent¬ 
schieden. 
In einer zweiten Versuchsreihe von Hillebrand wird un¬ 
mittelbar, nachdem der Karton mit der Kante in seitlicher Rich¬ 
tung aus dem Gesichtsfeld entfernt ist, auf automatischem Wege 
ein in anderer Entfernung befindlicher zweiter Karton von der 
entgegengesetzten Seite her ins Gesichtsfeld vorgeschoben, und 
zwar soweit, dafs sich die scharfe Kante, in der auch dieser 
Karton endet, wieder in der vertikalen Halbierungslinie des Ge¬ 
sichtsfeldes befindet. Bei dieser Modifikation des Versuches liefs 
sich für jeden Beobachter ein Distanzunterschied der beiden
        

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