Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Wahrnehmung des Raumes. Eine experimentell-psychologische Untersuchung nebst Anwendung auf Ästhetik und Erkenntnistheorie
Person:
Jaensch, E.R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39699/136/
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Erster Abschnitt. Über das Wesen der Tiefenwahrnehmung. 
§ 2. 
Die experimentelle Analyse des PANUMsehen Phänomens be¬ 
gannen wir mit Versuchen, bei denen die Gröfse des Seiten¬ 
abstandes der beiden im Gesichtsfeld erscheinenden Fäden vari¬ 
iert wurde. Bei den jetzt geschilderten Versuchen wurde unter¬ 
sucht, welchen Einflufs die Variierung des Seitenabstandes auf 
den durch die Querdisparation vermittelten Tiefeneindruck hat. 
Beide Gattungen von Versuchen — die am PANUMsehen Phä¬ 
nomen und die an den Querdisparationserscheinungen an- 
gestellten — laufen einander, sowohl hinsichtlich der Methode 
wie hinsichtlich des Ergebnisses parallel. Der Satz, dafs der 
Tiefeneindruck bei kleinem Seitenabstand relativ deutlich ist, 
um bei Vergröfserung des Seitenabstandes an Deutlichkeit abzu¬ 
nehmen, gilt nach dem Ergebnis des vorliegenden Kapitels nicht 
nur beim PANUMsehen Phänomen, sondern auch dann, wenn der 
Tiefeneindruck durch Querdisparation hervorgerufen ist. 
Diese Erscheinung war im Falle des PANUMsehen Phänomens 
verständlich, wenn wir unsere Ansicht zugrunde legten, dafs der 
Tiefeneindruck durch Aufmerksamkeitswanderung bedingt ist 
und dafs er um so deutlicher ausfällt, je günstiger die Bedin¬ 
gungen für das Auftreten von Wanderungen der Aufmerksam¬ 
keit sind. Wir konnten uns ja auf die Tatsache berufen, dafs 
ein Objekt, dessen Bild auf der Netzhaut der Fovea naheliegt, 
einen stärkeren Anreiz für die Aufmerksamkeit darstellt als ein 
Objekt, dessen Netzhautbild peripherer gelegen ist (S. 73). 
Genau die gleiche Erwägung gilt wörtlich auch für das Er¬ 
gebnis der analogen Versuche bei Querdisparation. Im Falle 
des PANUMsehen Phänomens erblickten wir in dem Umstand, 
dafs sich das in Rede stehende Ergebnis von unserer Grund¬ 
ansicht aus in bequemster Weise erklärt, während von der her¬ 
kömmlichen Deutung des PANUMsehen Phänomens aus zum Ver¬ 
ständnis der Erscheinung kein Weg zu führen scheint, oine neue 
Bestätigung unserer Grundansicht, dafs dem PANUMsehen Phä¬ 
nomen als verursachender Faktor Wanderung der Aufmerksam¬ 
keit, bzw. Erteilung von Impulsen, zugrunde liegt. In ganz 
analoger Weise erblicken wir in dem Umstand, dafs sich das nun¬ 
mehr erhaltene Resultat vom Standpunkt unserer Grundansicht 
über das Wesen der Querdisparation aus in einfachster Weise 
erklären läfst, eine neue Bestätigung dieser Grundansicht, dafs
        

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