Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/78/
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wichtige Bedeutung für den gesamten Erregungs- und Kontrak¬ 
tionsprozeß zukommt, und daß sie als Zeichen eines chemischen 
Prozesses anzusehen ist, der dem chemischen Prozeß der Kon¬ 
traktion unbedingt vorausgehen muß. 
Auch den zeitlichen Ablauf der Reizwellen bei Dauerkontrak¬ 
tionen des Muskels durch Reize gewisser Frequenz oder ver¬ 
schiedener Qualität und schließlich auch bei willkürlichen Er¬ 
regungen kann man mit Hilfe der beschriebenen Methoden genauer 
untersuchen. Es ist bekannt, daß schnell aufeinanderfolgende 
Reize, z. B. Induktionsströme eines Induktoriums, eine kontinuier¬ 
liche Dauerkontraktion, Tetanus, hervorrufen, wenn sie mit der 
hinreichenden Schnelligkeit, beim Frosch etwa 10 bis 15mal, 
beim Säugetier etwa 15 bis 20 mal in der Sekunde folgen. Diese 
Frequenz richtet sich wesentlich nach der Dauer der Einzel¬ 
zuckung durch Einzelreize. Je länger die Zuckung dauert, um 
so geringer ist die Frequenz, welche schon einen kontinuierlichen 
Tetanus hervorbringt. Wenn das Intervall zwischen den auf¬ 
einanderfolgenden Reizen etwa gleich der Yerkürzungsdauer ist, 
so wird der Muskel zwischen je zwei Reizen nicht merklich er¬ 
schlaffen; die Kontraktionswellen summieren sich dann, und es 
wächst die Hubhöhe des Muskels im Tetanus zu einem höheren 
Maximum an, als die einfache Zuckung erreicht. Etwas anders 
verhalten sich dabei die Reizwellen. Dieselben verschmelzen 
nicht, selbst bei sehr frequenter Reizung, zu einem stationären 
Betrage, sondern bewahren eine diskontinuierliche Form. Dies 
hatte sich ja schon aus der Beobachtung des sekundären Tetanus 
ergeben und wurde auch mit Hilfe des Telephons Q, welches man 
mit dem Muskel verband, selbst bis zu mehreren hundert Schwan¬ 
kungen in der Sekunde festgestellt. Da aber die Dauer der Reiz¬ 
welle im Muskel eine gewisse Länge hat, so müssen auch bei 
frequenter Reizung Summationen derselben eintreten. Dies läßt 
sich schon aus älteren Rheotomversuchen mit sehr schneller Rota¬ 
tion schließen und hat sich auch in späteren Versuchen mit dem 
Kapillarelektrometer deutlich gezeigt. Bei schnell aufeinander¬ 
folgenden Reizen setzen sich die Elektrometerkurven der nega¬ 
tiven Schwankungen (einphasiger Aktionsströme) so aufeinander 
l) Bernstein und Schönlein, Sitzungsber. d. Naturf. Gesell¬ 
schaft zu Halle, 8. Mai 1881.
        

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