Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/59/
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mente folgen schnellen Stromesoszillationen bis zu einer gewissen 
Grenze, und man kann nach bekannten Methoden diese Be¬ 
wegungen auf einem rotierenden Zylinder photographisch ver¬ 
zeichnen. Man darf aber bei solchen Untersuchungen niemals 
außer acht lassen, daß die erhaltenen photographischen Kurven 
keineswegs bei schnelleren Schwankungen die wirklichen Stromes¬ 
kurven sind, und daß man diese erst berechnen muß, soweit es 
möglich ist. Nach dieser Methode hat man im allgemeinen die mit 
dem Rheotom erhaltenen Resultate bestätigt. Eine große Zahl von 
Versuchen sind von verschiedenen Beobachtern über den Ablauf 
der Aktionsströme besonders an unverletzten Muskeln gemacht 
worden. Da hat man an einigen Muskeln, wie am M. gastrocn. 
des Frosches, für den doppelphasigen Aktionsstrom bei Nerven- 
reizung eine photographische Kurve erhalten, an noch 'unregel¬ 
mäßiger gestalteten Muskeln, wie z. B. am Triceps fern oris oder 
Gracilis, kann man noch kompliziertere Kurven, auch dreiphasige 
erhalten. Aber es ist klar, daß solche Versuche gar keinen prin¬ 
zipiellen Wert haben können, wenn es sich um die Fragen handelt: 
wie lange dauert an jeder Stelle einer Muskelfaser die elektrische 
Reizwelle, und in welchem Zeitverhältnis steht sie zur Kon¬ 
traktionswelle? Es ist klar, daß man an unregelmäßig gestalteten 
Muskeln, noch dazu an solchen, mit mehreren Sehnen, wie der 
Triceps femoris, oder Zwischensehnen, wie der M. gracilis, deren 
Muskelfasern die verschiedensten Längen haben und an denen 
die Eintrittsstellen der Nervenfasern sich über weite und von¬ 
einander getrennte Strecken der Muskeln verbreiten, keine klaren 
und maßgebenden Resultate erhalten kann, und daß diese auch 
je nach der Art der Ableitung mannigfach schwanken müssen. 
Wenn man an zwei Stellen eines unverletzten Muskels ableitet, 
so ist ferner zu berücksichtigen, daß, wenn die Ableitungsstellen 
einander nahe liegen, die beiden Phasen der Aktionsströme mehr 
oder weniger miteinander interferieren müssen. Es wird daher ein 
klares und eindeutiges Resultat nur erhalten werden, wenn man sich 
erstens eines möglichst langen parallelfaserigen Muskels bedient, 
und wenn man zweitens zurVermeidung aller Interferenzen an einem 
Ende des Muskels die negative Schwankung des Längsquerschnitt¬ 
stromes, d. h. des einphasigen Aktionsstromes verzeichnet. Soll nun 
mit dem Ablauf dieses Stromes der Ablauf der Kontraktionswelle 
verglichen werden, so darf man nicht, wie es meist geschehen ist,
        

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