Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/54/
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.änderung zusammenfallende Zustandsänderung als Kurve dar, die 
wir in einem bestimmten Zeitpunkte nur auf die Länge eines 
Nerven oder Muskels aufgetragen denken, so erhalten wir die 
Form der Reizwelle, wie sie über die Fasern abläuft. In Fig. 13 
ist das Rheotom so eingestellt gedacht, daß die Sehließungszeit, 
zwischen SS fallend, mit dem Maximum der Schwankung zu¬ 
sammenfällt. Das auf das Galvanometer wirkende Stromintegral 
(h.t) ist als schraffiertes Flächenstück gezeichnet. Denken wir 
uns dieses statt des Reizkontaktes über die ganze Kurve ver¬ 
schoben, so erhalten wir die verschiedenen Ablenkungen des Ver¬ 
suches *). Man erkennt aus den Figuren, daß der aufsteigende 
Teil der Reizwelle bis zum Maximum steiler ist, als der ab¬ 
sinkende. Man sieht leicht ein, daß man aus diesen Messungen 
nicht nur die Geschwindigkeit der Reizwelle erhalten kann, son¬ 
dern auch ihre Dauer. Diese Dauer ergibt uns also einen Auf¬ 
schluß über die Schnelligkeit, mit welcher der Erregungsprozeß 
in den Organen nach einem Momentenreiz steigt, wie lange er 
andauert und wie geschwind er wieder in den Ruhezustand 
übergeht. 
Bisher ist immer nur von der negativen Schwankung des 
Längsquerschnittstromes die Rede gewesen. Aber schon du Bois- 
Reymond hat an Nerven untersucht, wie sich der Vorgang bei der 
Reizung verhält, wenn man ihn von zwei Punkten seines Längs¬ 
schnittes ableitet. Er fand, daß bei Ableitung zweier zum Äquator 
symmetrischer Stellen (s. oben S. 6 u. 15), welche keinen Ruhe¬ 
strom geben, auch bei der Reizung keine Wirkung am Galvanometer 
auftritt, daß dagegen andere Stellen, welche mehr oder weniger 
elektromotorisch wirken, auch eine der Größe des Ruhestromes 
entsprechende negative Schwankung geben. Spätere Versuche, 
welche ich am unverletzten langen, parallelfaserigen und kurare- 
sierten Muskel anstellte, ergaben ein ähnliches, wenn auch, wie 
man bald einsehen wird, nicht ganz gleiches Resultat. Versuche, 
welche ich mit Hilfe des Rheotoms zuerst an solchen Muskeln 
ausführte, zeigten, daß bei Ableitung zweier Längsschnittpunkte, 
1) Es wurde an dem Rheotom der Reizkontakt beweglich, der 
Schließkontakt dagegen fest angebracht, weil die Verschiebung des 
letzteren merkliche Änderungen der Schließungszeit durch kleine Ab¬ 
weichungen der Grundplatte des Rheotoms von der Horizontalebene 
herbeiführen würde.
        

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