Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/26/
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zurückgreifen. Es sei noch hinzugefügt, daß Engelmann auch 
das elektrische Verhalten der verletzten Nerven und Muskeln im 
lebenden Körper untersucht hat. Unter günstigen Bedingungen 
der Ernährung tritt sehr bald auch am Muskel eine Abgrenzung 
unter Verschwinden des Längsquerschnittstromes ein. Diesen Vor¬ 
gang, den man als Beginn des mit komplizierten Wachstums¬ 
prozessen verknüpften Heilungsvorganges anzusehen hat, kann 
man als „Demarkation“ bezeichnen (s. oben). Die Demarkation 
nach der Verletzung ruft also nicht den Strom hervor, sondern 
im Gegenteil, sie bringt ihn zum Verschwinden. 
Der Längsquerschnittstrom derNerven zeigt ebenso 
wie der des Muskels bei jeder Art der Reizung eine 
negative Schwankung, die ebenfalls auf einer Verminde¬ 
rung der elektromotorischen Kraft desselben beruht. Bei 
elektrischer Reizung muß dafür gesorgt sein, daß die Reizströme 
nicht zum Galvanometer durch Stromschleifen gelangen. Man 
leitet einen möglichst langen Nerven an einem Ende vom Längs¬ 
und Querschnitt ab und legt ihn am anderen Ende über die Elek¬ 
troden des Reizstromes. Am besten verwendet man hierzu wiederum 
die Wechselströme der sekundären Spule eines Schlitteninduktoriums 
von mäßiger Stärke. Da diese in ihrer Wirkung auf ein Galvano¬ 
meter sich aufhehen, so können sie nicht so leicht zu täuschenden 
Ablenkungen Veranlassung gehen. Man überzeugt sich davon, 
wenn man den Nerven an einer Stelle zwischen den ableitenden 
und erregenden Elektroden durchschneidet und wieder aneinander¬ 
legt, oder ihn mit feuchtem Faden unterbindet oder auch völlig 
durchquetscht. Hierdurch wird jede Leitung der Erregung auf¬ 
gehoben. Dasselbe Verfahren muß man auch bei direkter Muskel¬ 
erregung (s. oben) anwenden, wo es wegen des größeren Quer¬ 
schnittes leichter zu Stromschleifen kommen kann, als hei dem 
verhältnismäßig dünneren Nerven. Auch unterbrochene konstante 
Ströme lassen sich zur Reizung benutzen, doch tut man in diesem 
Falle gut, Wechselströme zu wählen, da Ströme von konstanter 
Richtung noch eine andere Änderung infolge der inneren Polari¬ 
sation hervorrufen, die hei der einen Richtung die negative Schwan¬ 
kung verstärken, bei der anderen dagegen schwächen und dadurch 
den Sinn der Ablenkung umkehren können (s. weiter unten). 
Auch bei tetanischer Reizung mit Induktionsströmen ist es ge¬ 
raten, sich bei genaueren Messungen nicht des gewöhnlichen 
Bernstein, Elektrobiologie. 9
        

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