Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/209/
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dieser Entwickelungsstufe sind in dem Entoderm zuerst Sekretions¬ 
zellen entstanden, welche Sekrete zum Zwecke der Verdauung 
erzeugt haben, und daher darf man sich auch vorstellen, daß bei 
dieser Differenzierung in bezug auf Form und Funktion die Plasma¬ 
membran sich gewandelt hat. Wir haben oben (8. Kapitel) die 
Sekretionszellen als solche Zellen angesehen, bei denen durch die 
chemischen Veränderungen im Inneren die Plasmahaut an der 
äußeren sezernierenden Seite bei der Sekretion zerstört wird. In¬ 
folgedessen erzeugen sie eine Potentialdifferenz zwischen der 
äußeren und inneren Fläche einer sezernierenden Haut (Schleim¬ 
haut oder äußerer Haut). Das Membranpotential der inneren 
Seite der Zell en erzeugt nach der oben aufgestellten 
Theorie eine Wasser treibende Kraft, welche bei der 
Sekreti on zur Wirkung kommt. 
Ebenso mögen auch bei der Entwickelung niederster Metazoen 
Resorptionszellen in dem Entoderm entstanden sein, bei deren 
Tätigkeit auch das Membranpotential zur Förderung des Flüssig¬ 
keitsstromes in die Gewebe beizutragen begonnen hatte, und die 
sich bei weiterer höherer Entwickelung der Organisation in die 
spezifischen Resorptionszellen der Darmschleimhaut und ihrer 
Zotten umgebildet haben. Für diese Zellen haben wir nach der 
aufgestellten Theorie das Membraopotential der äußeren resor¬ 
bierenden Seite derselben als Quelle einer Wasser treibenden Kraft 
vermutet. 
Was wir hier von den Zellen der tierischen Organismen in 
bezug auf die Bedeutung des Membranpotentials gesagt haben, 
können wir auch auf die Zellen der pflanzlichen Organismen über¬ 
tragen. Die einzelligen Pflanz en, zu denen man die Bakterien 
rechnet, sind den Protozoen in ihren wesentlichen physiologischen 
Eigenschaften gleich. An diesen sind ja namentlich die Erschei¬ 
nungen der Elektrokinese festgestellt worden. Sie besitzen also 
nach unserer Theorie ein Membranpotential. Die physiologische 
Bedeutung desselben werden wir nach unserer Auffassung auch 
in der Regulierung des Wassergehaltes zu suchen haben. Die 
Festhaltung von Wasser in den Keimen und Sporen von Pilzen 
auch im lufttrockenen Zustande scheint mir für die Erhaltung 
der Keimfähigkeit von besonderer Wichtigkeit zu sein. Bei den 
aus der phylogenetischen Entwickelungsreihe hervorgegangenen 
mehrzelligen Pflanzen ist das Membranpotential der Zellen bei
        

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