Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/19/
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Von Wichtigkeit ist noch die Feststellung, daß ein völlig ab¬ 
getöteter Muskel stromlos ist, daß also die elektromotorische Eigen¬ 
schaft der Muskeln zu den Lebenseigen schäften gehört. Ist der 
Muskel nach dem Tode unerregbar geworden und schließlich der 
Totenstarre verfallen, welche bekanntlich mit einer eingreifenden 
chemischen Veränderung verknüpft ist, so ist der Längsquerschnitt¬ 
strom verschwunden. Dies tritt beim Erhitzen auf 45 bis 50'1 
sehr schnell ein, beim zeitlichen spontanen Absterben langsam. 
Mannigfache Abänderungen erleidet das 
Auftreten von Strömen an unregelmäßig gestal¬ 
teten Muskeln, z. B. am Musculus gastrocnemius 
(Wadenmuskel) des Frosches, welcher in Fig. 6 
im frontalen Längsschnitt dargestellt ist. Man 
sieht, daß sich eine obere platte Sehne in das 
Innere des Muskelbauches tief einsenkt, von 
der die Muskelfasern doppelt federförmig ent¬ 
springen , und daß über die untere Hälfte des 
Muskels die Achillessehne sich in einer sehnigen 
Haut ausbreitet, an welcher sich die Muskel¬ 
fasern ansetzen. Eine durch alle Muskelfasern 
senkrecht gelegte Fläche gibt den sogenannten 
physiologischen Querschnitt qqq an, welchem be¬ 
kanntlich die Muskelkraft proportional ist. In 
der oberen Hälfte des Muskels liegt nur der 
Längsschnitt der Fasern frei, in der unteren 
dagegen hauptsächlich Sehnenenden derselben als sogenannter 
natürlicher Querschnitt. Leitet man daher von der Achillessehnen¬ 
ausbreitung und der oberen Hälfte des Muskels ab, so erhält man 
häufig einen merklichen, im Muskel von unten nach oben fließenden 
Strom, namentlich in der wärmeren Jahreszeit. Der obere natür¬ 
liche Querschnitt kommt wegen seiner Lage im Inneren nicht zur 
Wirkung. Da eine große Zahl von Muskeln der unteren Extremi¬ 
täten ähnlichen Bau haben, so erklärt sich daraus der von Nobili 
beobachtete, von den Zehen nach der Wirbelsäule gerichtete Frosch- - 
ström. Es erklärt sich daraus die Galvanische Zuckung ohne 
Metalle, welche auftritt, wenn man den Nerv, ischiadicus auf die 
Rückseite des Wadenmuskels fallen läßt, da in diesem Moment 
der Strom desselben durch den Nerven fließt, wenn er Bauch 
und Sehnenspiegel berührt. In derselben W"eise erklären sich 
Vig. 6. 
Bau des Musculus 
gastrocn. v. Frosch. 
qqg physiologischer 
Querschnitt.
        

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