Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/183/
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Es erscheint lins daher als eine berechtigte Hypothese, durch 
diese Kraft das Verhalten der lebenden Zelle gegenüber der toten 
in Beziehung zur Wasserhindun g zu deuten, zumal sich dadurch 
eine große Reihe yon Zellprozessen unter einem gemeinsamen 
Gesichtspunkt zusammenfassen läßt. 
Nach der elektroosmotischen Membrantheorie regelt 
jede Zelle ihren Wassergehalt nicht nur vermöge des 
osmotischen Druckes in ihrem Inneren, sondern auch 
wesentlich durch die Wirkung des Potentialgefälles 
ihrer Plasmamembran. Diese Kraft ist bei der Sekretion und 
Resorption und bei der gesamten Wasserbewegung zwischen den 
Flüssigkeiten des Körpers und den verschiedenen Organzellen 
tätig, und so werden sich voraussichtlich die mannigfachen Vor¬ 
gänge dieser Art, welche wir bis jetzt durch die Kräfte der ge¬ 
wöhnlichen Filtration und Diffusion nicht erklären können, deuten 
lassen. Ich erwähne nur die Absonderung eines sehr verdünnten 
Harnes, der einen viel geringeren osmotischen Druck besitzt als 
das Blut und einen beträchtlichen Energieaufwand erfordert. Auf 
diesen Gegenstand weiter einzugehen, ist hier nicht der Ort. Da¬ 
gegen wollen wir hier die osmotischen Bewegungserschei¬ 
nungen an Pflanzen anschließen, deren Deutung sich jetzt 
unmittelbar ergibt. 
An gewissen Pflanzen, z. B. an der Sinnpflanze, Mimosa 
pudica, und an der Fliegenfalle, Dionaea muscipula, beobachtet 
man bekanntlich auffallende Reiz be wegungenJ). Bei Berührung 
und Erschütterung der Blätter dieser Pflanzen oder anderweitiger 
Reizung treten diese Bewegungen ein, welche im allgemeinen 
darin bestehen, daß sich die gegenüberstehenden Blätter oder 
Blatthälften mit ihren oberen Flächen Zusammenlegen und größere 
wie kleinere Blattstiele sich senken. In Fig. 54 ist ein Zweig der 
Mimosa pudica abgebildet, auf der Seite A in ruhender, auf der 
Seite B in gereizter Stellung. Am Ursprung der großen und 
kleinen Blattstiele befinden sich Gelenke, welche die Bewegungen 
verursachen. Diese Gelenke bestehen aus zwei Gelenkwülsten, 
welche sich gegenüberstehen, der eine derselben nimmt an Volumen 
ab, während der andere sich vergrößert, wodurch der Blattstiel 
') Siehe Pfeffer, Pflanzenphysiologie, 1904, Bd. II, S. 433, Ab¬ 
schnitt III.
        

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