Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Elektrobiologie: Die Lehre von den elektrischen Vorgängen im Organismus auf moderner Grundlage dargestellt
Person:
Bernstein, Julius
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39671/176/
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Wert. Aber schließlich hat die Natur gewissermaßen die Gelegen¬ 
heit benutzt, durch Funktionswechsel aus diesen Elementen Organe 
zu schaffen, deren Elektrizitätsproduktion einen beträchtlichen 
Energiewert nach außen hin besitzt — die elektrischen 
Organe. Noch eine andere Beziehung elektrokinetischer Art 
werden wir dem Membranpotential im Zellenleben zuzuschreiben 
haben. Somit hätten wir den elektrischen Eigenschaften in den 
Organismen eine allgemeinere biologische Grundlage gegeben, welche 
den Titel dieses Buches „Elektrobiologie“ rechtfertigen möge. 
Dieser Gedanke soll in den Schlußbetrachtungen (s. unten) weiter 
ausgeführt werden. 
Gehen wir nun zu den Beweisen für diese Theorie über. 
Zuerst wählte ich zur Untersuchung solche Gewebe, welche wäh¬ 
rend des Lebens der Wasserverdunstung ausgesetzt sind. Ich 
stellte daher Versuche an der Froschhaut an, welche ein sehr ge¬ 
eignetes Objekt hierzu ist und außerdem elektrische Potential¬ 
differenzen besitzt. Wenn es richtig ist, daß die lebenden Zellen 
das Wasser fester binden als tote, so muß in dem toten Gewebe 
die Verdunstung unter gleichen Bedingungen, d. h. bei gleicher 
Temperatur und gleichem Wassergehalt der Luft schneller vor sich 
gehen als an dem lebenden. Es war notwendig, hierzu zwei Haut¬ 
stücke von möglichst gleicher Beschaffenheit, den symmetrischen 
Stellen des Körpers entnommen und von gleicher Oberfläche zu 
gleicher Zeit an demselben Orte miteinander zu vergleichen, das 
eine lebend (frisch, überlebend), das andere auf irgend eine Weise 
abgetötet. Die Abtötung wurde meistens durch Erwärmen auf 45 
bis 50° C in einem kleinen abgeschlossenen Röhrchen vorgenommen. 
Zuerst wählte ich eine Methode, welche von dem bekannten 
Liebigschen Versuche über die Imbibitionskraft von Membranen 
ausging. Wenn man eine Membran über das trichterförmig ge¬ 
staltete obere Ende eines langen Rohres bindet, das Ganze mit Wasser 
füllt und das untere Ende des Rohres in eine Schale mit Hg einstülpt, 
so sieht man infolge der Verdunstung desWassers auf der Membran 
das Hg in dem Rohre allmählich bis zu einer gewissen Höhe steigen. 
Diese Höhe gibt die Imbibitionskraft der Membran an. 
Wenn nun an der lebenden Membran die Verdunstung lang¬ 
samer erfolgt als an der toten, so muß eine Differenz im Steigen 
der Hg-Säule in diesem Versuche zu beobachten sein. Es wurden 
in diesen Versuchen, um sie schneller zu beenden, Kapillarröhren
        

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