Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vasomotorische Methodik der psychologischen Ermüdungsmessung
Person:
Zondek, Bernhard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39664/35/
Methodik der psychologischen Ermüdnngsmessung 
1695 
hat, kann man einerseits, wie vorher beschrieben, an den Knrven 
erkennen, andererseits dnreh Kontrollapparate prüfen. Die Er¬ 
gebnisse der vasomotorischen Begleiterscheinnngen sind bei wirk¬ 
licher aktiver Bewegung die gleichen wie bei reiner Bewegungs- 
vorStellung. Das Blut strömt in vermehrter Menge zu den äußeren 
Körperteilen und auch, was durch besondere Kurven hier nicht 
dargestellt ist, zum Gehirn, während die Bauchgefäße sich kon¬ 
trahieren. Der Zweck dieser Blut Verschiebungen ist leicht ein¬ 
zusehen. Die vermehrte Zufuhr zu den Extremitäten muß die 
Funktion der Muskulatur verbessern und dafür Sorge tragen, daß 
die durch die Bewegung sich bildenden Ermüdungsstoffe möglichst 
schnell fortgespült werden. Daß die oben erwähnten vasomotorischen 
Erscheinungen bei passiver Bewegung nicht auftreten, beweist 
am besten, daß durch den psychologischen Vorgang der Bewegungs¬ 
vorstellung erst der Beiz auf das Vasomotorenzentrum gelangt, 
um von dort aus seine Impulse auf die Gefäßnerven zu verteilen. 
VIII. Die psychologische Ermüdungsmessung. 
In den vorhergehenden Kapiteln sind die Apparate, Technik 
und Methodik für vasomotorische Untersuchungen beschrieben 
worden. Die Fehlerquellen sind auseinandergesetzt und die Er¬ 
gebnisse bei psychischer Einwirkung mitgeteilt. Will man die vaso¬ 
motorischen Begleiterscheinungen der psychischen Ermüdung 
studieren, so wird man selbstverständlich immer wieder auf 
die Kormalkurve zurückkommen müssen. Der Untersucher kann 
sich durch Vergleich seiner gewonnenen Kurve mit den hier mit¬ 
geteilten darüber orientieren, ob er seine Versuche in richtiger 
Weise angestellt hat, oder ob nicht eine der beschriebenen Fehler¬ 
quellen vorliegt, die sowohl in den Apparaten, wie in der Versuchs¬ 
person liegen kann. Es sei deshalb nochmals der Gang der Unter¬ 
suchungen samt den Fehlerquellen dar gestellt. 
Die Versuchsperson muß frisch und ausgeruht sein; Spannungs¬ 
und Erwartungszustände dürfen nicht bestehen oder müssen vorher 
beseitigt werden; sie darf nicht nervös sein, bei den Versuchen 
nicht zittern. Die zu untersuchenden Körperteile müssen absolut 
ruhig in den Apparaten liegen, was durch Kontrollapparat extra 
festgestellt werden kann. Die Versuchsperson muß bequem sitzen 
können ; der Arm darf sich in der Gummimanschette nicht bewegen ; 
der Ellenbogen muß fest in der Stütze liegen. Ober- und Unterarm 
müssen einen rechten Winkel bilden; die Apparate, besonders 
der Plethysmograph, müssen dicht sein (jeder Apparat ist auf seine 
Festigkeit und Wasserundurchlässigkeit vorher zu prüfen). Das 
Wasser im Plethysmographen muß körperwarm und frei von Luft¬ 
blasen sein; die Gummi Schläuche müssen gleich lang und dick sein; 
Abderhalden, Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden. Abt. VI, Teil B/II. 110
        

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