Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vasomotorische Methodik der psychologischen Ermüdungsmessung
Person:
Zondek, Bernhard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39664/23/
Methodik der psychologischen Ermüdungsmessung 
1683 
die zuerst von S. Mayer1) beobachtet sind. Sie treten unregelmäßig 
auf und sind bezüglich ihrer Ausdehnung länger als die Atmungs- 
wellen. Sie sind durch Erregungszustände des Yasomotorenzentrums 
und dadurch bedingter Änderung im Kontraktionszustand der 
Gefäße hervorgerufen. Ähnliche unregelmäßige Schwankungen 
kommen außerdem noch an der Volumkurve der ruhenden un¬ 
tätigen Versuchsperson vor, die sich durch das schnellere Abfallen 
der Volumveränderung von der oben genannten unterscheidet. 
Sie sind, wie durch zahlreiche Untersuchungen bewiesen, durch das 
willkürliche Eintreten irgendeiner psychischen, zum Teil unbewußten 
Tätigkeit bei der Versuchsperson bedingt (Auftreten eines lebhaften 
Gedankens). Ist jede psychische Tätigkeit ausgeschlossen, so fehlen, 
wie Lehmann2) durch Experimente in der Hypnose naehgewiesen 
hat, diese Schwankungen in der normalen Kurve. Außerdem kann 
noch zum Beweis angeführt werden, daß man jederzeit durch eine 
bewußte psychische Arbeit eine starke Volumverminderung herbei¬ 
führen kann. 
Bei allen vasomotorischen Untersuchungen kommt es nur auf 
den qualitativen Effekt an, während eine genaue Messung der 
quantitativen nicht möglich ist. 
VI. Der Einfluß der psychischen Arbeit auf die Blutverteilung. 
Im folgenden sollen die vasomotorischen Begleiterscheinungen 
bei psychischer Arbeit und Ermüdung dar gestellt werden. Aus 
dem Verhalten der typischen Veränderungen kann man dann auf 
die Bichtigkeit der angewandten Methodik schließen. Daß Menschen 
gerade auf vasomotorische Beize verschieden reagieren, ist ja ge¬ 
nügend bekannt ; die einen erröten oder erbleichen leicht, die anderen 
nur unter dem Einfluß starker psychischer Einwirkungen. Infolge¬ 
dessen wird man auch bei unseren Untersuchungen die besten 
Besultate erhalten, wenn man sich vasomotorisch empfindliche 
Versuchspersonen aus wählen kann. Eine gewisse Anzahl wird man 
zu den Experimenten überhaupt nicht gebrauchen können, weil 
sie zu nervös und aufgeregt sind, um die für das Schreiben der 
Volumkurve notwendige Buhe des Armes zu bewahren. 
Insbesondere wird man Frauen im Klimakterium von den 
Versuchen ausschließen müssen, da ihr Vasomotorenzentrum sieh 
in einem dauernden Beizzustand befindet, das zu eklatanten vaso¬ 
motorischen Blutverschiebungen Anlaß gibt. Sie zeigen, wie ich 
nachweisen konnte, atypische Armkurven, die auch bei spezifischen 
physikalischen und psychologischen Einflüssen in eigenartiger 
Weise verändert sind3). 
1) S. Mayer: Sitzungsber. #>d. Akad. d. Wiss. Wien. 74. VII. 281 (1876). 
2) Lehmann: Körperliche Äußerungen psychischer Zustände. 41 (1899). 
3) B. Zondek: Zeitschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol. 1920.
        

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