Bauhaus-Universität Weimar

Das fortlaufende Rechnen nach Kraepelin 
1655 
Die quantitative Bestimmung des durch den Antrieb zu 
Beginn der Arbeit erzielten Effektes geht von der Erfahrung aus, 
daß eine so extreme Willensspannung, wie sie der Antrieb vorstellt, 
nur kurze Zeit aufrechterhalten werden kann; jedenfalls ist er 
in den zweiten fünf Minuten der Arbeitsleistung bereits ge¬ 
schwunden. Aus dem Vergleich der in den ersten und zweiten 
fünf Minuten produzierten Arbeit ist ein Ausdruck für die Größe 
des Antriebes zu gewinnen. JSTur muß dabei berücksichtigt werden, 
daß im zweiten Arbeitsabschnitt bereits Übung, Anregung, Ge¬ 
wöhnung und Ermüdung wirksam sind. Man muß also die Leistung 
des zweiten Abschnittes erst um den Betrag der Übung, Ge¬ 
wöhnung und Anregung für die ersten fünf Minuten herabsetzen 
und um denjenigen der Ermüdung erhöhen, um durch Sub¬ 
traktion von der Leistung des ersten Abschnittes die Größe des 
Antriebes zu bestimmen. 
Da nur ein Teil der Autoren neben der Quantität auch die 
Qualität der Produktion berücksichtigt hat, stehen uns über Fehl¬ 
leistungen beim Addieren heute noch verhältnismäßig wenig Er¬ 
fahrungen zur Verfügung. Schon jetzt treten aber wesentliche 
individuelle Differenzen sowohl hinsichtlich der Zahl von 
EehlernundVerbesserungen als im Verhältnis beider 
hervor. So fand Amberg eine Eehlerzahl von 0*0697 bis 0*0917% 
und bei zwei Versuchspersonen 3*98 und 5*38% Verbesserungen, 
während Rivers 0*085 bis 0*104% Fehler, dabei aber nur 0*92 bis 
0*98% Verbesserungen beobachtete. 
Die Versuche von Rivers ergaben, daß zwischen Geschwindig¬ 
keit der Arbeitsleistung und Zahl der Verbesserungen ein Parallelis¬ 
mus besteht, indem mit der Zunahme oder Abnahme der Leistung 
die Zahl der Verbesserungen steigt oder fällt. Doch erfolgt bei 
letzteren sowohl das Steigen als das Sinken regelmäßig in stärkerem 
Maße als die Leistung selbst. Rivers hat aber in anderen Versuchs¬ 
reihen auch ein gegenteiliges Verhältnis gefunden, nämlich Zu¬ 
nahme der Verbesserungen trotz abnehmender Arbeitsleistung. 
Bei der Deutung dieses Widerspruches ist zu berücksichtigen, 
daß wir es mit verschiedenen Qualitäten von Fehlern und Ver¬ 
besserungen zu tun haben, denen auch verschiedene psychische 
Bedingungen zugrunde liegen. In dieser Hinsicht hat Rivers be¬ 
sonders zwei Mechanismen unterschieden: 1. Hast in der Pro¬ 
duktion, wodurch eine vorzeitige Auslösung von Schreib¬ 
bewegungen erfolgt. Es handelt sich dabei um eine Steigerung der 
motorischen Erregbarkeit, wobei unwillkürlich falsche Zahlen 
niedergeschrieben werden, ehe noch eine zuverlässige Bechnung 
durchgeführt ist. Diese Irrtümer haben die Bedeutung von Schreib¬ 
fehlern und sind motorischen Fehlreaktionen im Beaktionsversuche 
gleichzustellen.
        

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