Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/92/
1216 
G. Stoning 
erlebnisses und der jetzigen Verliebtheit). Es verschlimmert sich 
der Eervenzustand immer mehr, dabei Schlaflosigkeit. 
Das Jngendvorkommnis mit dem Onkel hätte eigentlich 
amtlich gemeldet werden sollen. Sie selbst möchte es noch melden, 
aber sie will ihre Familie nicht kompromittieren, bald will sie 
sich selbst opfern; unerträgliche Qnal des Schweigens. So ent¬ 
steht die Angst, die Polizei müsse ins Haus kommen und sie 
zur Verantwortung ziehen. Überall hört sie Vorwürfe gegen sich. 
An die Beaehtungsideen schließen sich 
also immer ausgeprägtere Beeinträchtigungs¬ 
ideen an, es entwickelt sich also ein immer 
ausgeprägteres krankhaftes Mißtrauen. 
Sehen wir uns die Beziehung der Beach¬ 
tungsideen zu den Verfolgungsideen etwas 
n ä h e r a n. 
Patientin glaubt, man sehe ihr ihren 
sinnlichen Blick an. Bei dem vermeintlichen 
Bet rächtet werden liegt also vor ein Be¬ 
achten eines als verwerflich aufgefaßten 
Verhaltens der Patientin. Die Mitmenschen 
werden also gedacht als wissend um das 
schlechte Verhalten der Patientin. 
Dabei bleibt aber Patientin nicht stehen. 
Kretschmer bemerkt sehr richtig, .daß der neben dem asthenischen, 
stark ,,sensiblen” Zug vorhandene sthenische Zug in dem Charakter 
der Patientin1), das gesteigerte Selbstgefühl derselben, welches 
trotz aller Selbstvorwürfe bei ihr vorhanden ist, sie weitertreibt 
zur Annahme, daß die Mitmenschen gegen sie feindselig Vorgehen,, 
wogegen sie dann mit Erregung reagiert. 
Es fragt sich nun, weshalb es nicht bei 
der bloßen ,,A n n a h m e” (K. Westphal) bleibt, daß 
die Mitmenschen feindselig gegen sie han¬ 
deln, weshalb dieser Gedanke der feind- 
/ 
seligen“ Stellungnahme der Menschen gegen 
sie Wahncharakter an ni mm t ! Das kann durch den 
vorangegangenen Beachtungswahn nicht geleistet werden, das 
kann nur geleistet werden durch mißtrauische Versti m- 
mung gegen die Mitmenschen ! 
Man erkennt, wie die Beachtungsidee, der Wahn, daß man 
Patientin ihre Schlechtigkeit ansieht, den mißtrauischen 
Gedank en nah e 1 e g t, daß man gegen s i e f e i n d- 
seligvorgehe. Dieser Gedanke geht einher mit einem starken 
Mißtrauensaffekt und bei dem körperlich-geistigen Erschöpfungs- 
P Kretschmer: 1. c. S. 40 und 44.
        

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