Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/78/
1202 
Gr. Störring 
Wahnzustandes, der mit vollkommener Erhaltung der Klarheit 
und Ordnung im Denken, Wollen und Handeln einhergeht.” 
Uns interessiert hier vom Standpunkt der allgemeinen Psycho¬ 
pathologie nicht, oh ein Verfolgungswahn chronisch ist oder 
nicht, es interessiert uns in erster Linie, ob er unkompliziert 
durch Schwachsinn sowie durch Halluzinationen und Illusionen 
auf tritt. 
Manche ältere Psychiater von Ruf haben, weil sie die Wider¬ 
sinnigkeit der Verfolgungsideen sich nicht ohne Annahme von 
Schwachsinn verständlich machen konnten, behauptet, daß Ver¬ 
folgungsideen nur bei Schwachsinn auf treten. Das widerspricht 
aber den Tatsachen. Es muß betont werden, daß Schwachsinn 
keine conditio sine qua non der Verfolgungsideen ist. Man kann 
bei einer großen Anzahl von Patienten mit Verfolgungswahn eine 
weit über das Mittelmaß hinausgehende Urteilsfähigkeit in bezug 
auf Dinge, die zu ihren Wahnideen keine Beziehung haben, fest¬ 
stellen — und daneben obskure Wahnideen, die von einer unter 
dem Durchschnittsmaß stehenden Intelligenz leicht als obskur 
zu erkennen sind. 
So sieht man denn auch häufig, daß Kranke von mittel¬ 
mäßiger Intelligenz sich über die Verfolgungsideen von Kranken 
mit ausgesprochen höherer Intelligenz lustig machen. 
Es entsteht also für uns hier das inter¬ 
essante Problem, wie es zu obskuren Wahn¬ 
ideen bei intakter Urteilsfähigkeit kommen 
kann. Die Verfolgung dieses Problems ist von eminenter Be¬ 
deutung für die Psychopathologie und ebenfalls für die normale 
Psychologie. 
Während man früher die Verfolgungsideen bei sonst intakter 
Intelligenz als eine primäre Denkstörung angesehen hat, 
stimmen die Psychiater jetzt fast allgemein darin überein, daß 
hier eine Störung im Gefühlsleben die Ursache der Wahn¬ 
ideen ist. 
Ich habe in meinen Vorlesungen über Psychopathologie 1900 
zuerst den streng psychologischen Beweis dafür erbracht. Im 
Jahre darauf ist der Psychiater Specht ebenfalls für die Entstehung 
dieser Wahnideen aus einer Störung im Gefühlsleben eingetreten. 
Mein Beweis der Entstehung der Verfolgungsideen bei in¬ 
takter Intelligenz vollzog sich in zwei Etappen: Ich zeigte zunächst, 
daß für Entstehung dieser Verfolgungs¬ 
ideen eine krankhaft intensive mißtrauische 
Verstimmung verantwortlich zu machen ist 
und wie dieselbe entsteht, und sodann, wie 
auf Grund der mißtrauischen Verstimmung
        

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