Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/63/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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Bekannt ist ja schon ans der Vulgärpsychologie die A b- 
stnmpfnng von Gefühlszuständen bei Wieder¬ 
holung. Die introspektive Methode der wissenschaftlichen Psycho¬ 
logie stellt fest1), daß dabei die Hauptrolle die Aufmerksamkeit 
spielt, die bei häufigen Wiederholungen derselben Erlebnisse im 
allgemeinen an Intensität beträchtlich abnimmt, so daß dann in 
den späteren Wiederholungen die intellektuelle Unterlage der Ge¬ 
fühlszustände sich weniger vollständig und klar ausprägt. 
Die abstumpfendeWirkung der Wiederholung tritt 
nun hier bei pathologischen Affektzuständen nicht so schnell auf 
wie im normalen Seelenleben. Each entgegengesetzter Richtung 
wirkt hier eine viel stärker als im normalen Seelenleben auftretende 
Steigerung der allgemeinen und speziellen 
emotionellen Erregbarkeit, wenigstens bei nicht 
zu großen zeitlichen Intervallen der emotionellen Reize. 
Methodologisch sei hier wieder bemerkt, 
daß eine solche im pathologischen und nor¬ 
malen Leben in verschiedener Intensität sich 
ausprägende Interferenzerscheinung zu der 
Auffassung verführen kann, als ob im nor¬ 
malen Seelenleben andere Gesetzmäßig¬ 
keiten herrschten als im pathologischen. 
In Fällen von Psychoneurosen sieht man häufig sodann die 
Phantasiebetätigung der abstumpfenden Wirkung der 
Wiederholung entgegenwirken2). 
Diese psychopathologische Feststellung hat man sich psycho¬ 
logisch in der Weise verständlich zu machen, daß die Phantasie¬ 
betätigung eine Bereicherung der intellektuellen 
Unterlagen des Gefühlszustandes mit sich bringt. 
Methodologisch ist zu beachten, daß hier 
die psychopathologische Untersuchung eine 
kausale Feststellung macht, die durch Zu¬ 
hilfenahme anderer psychologischer Me¬ 
thoden noch der weiteren Reduktion auf 
allgemeine Gesetzmäßigkeiten zugänglich ist. 
Man findet sodann, ebenfalls in Fällen von Psychoneurosen, 
daß eine Steigerung der Intensität des betreffenden Affektes 
durch spätere Herstellung einer ,,Eigenbeziehung” zu¬ 
stande kommen kann. 
Ich gebe ein paar hierher gehörige Fälle von Friedmann. 
,,33jähriger Handwerker. Früher gesund, doch bereits an 
Schlaflosigkeit, Herzklopfen und ängstlichem Gefühl seit über 
x) Störring: Psychologie des menschlichen Gefühlslebens. 2. Anfl. S. 104 ff. 
2) M. Friedmann : Zur Auffassung und zur Kenntnis der Zwangsideen 
unter isolierten überwertigen Ideen. Zeitschr. f. Neurol, u. Psych. 21. 391.
        

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