Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/6/
1130 
G. Störring 
atmosphärische Luft, für die andere Ätherdampf aspirierte. Bach 
einigen Tagen waren unter diesen Bedingungen die Pflanzenkeime 
in der Flasche mit Luftaspiration zu langen Keimlingen gewachsen, 
die Pflanzenkeime mit Ätheraspiration zeigten aber kein Wachstum. 
Für uns ist es nun von Wichtigkeit hervorzuheben, daß 
diese Methode nicht bloß, wie es von den Logikern dargestellt wird, 
experimentelle Methode ist, sondern auch Beobachtungs- 
method e1). 
Ein solcher Induktionsschluß liegt z. B. da vor, wo man 
sagt: Ein Teil der Frauenhofersehen Linien wird um so dunkler, 
je tiefer der Stand der Sonne am Horizont ist, d. h. je stärker 
die Luftschicht ist, welche das Licht zu passieren hat. Also hängt 
ein Teil der Frauenhof ersehen Linien von der Absorption des Lichtes 
in der Atmosphäre ab. 
Hierher gehört dann offenbar auch unser 
in Bede stehender Fall, wo eine Änderung 
der Stimmungslage kausal verfolgt wird. 
Es ist leicht zu sehen, daß es von Wichtigkeit ist, solche 
Fälle auszuwählen, wo nur eine Komponente eines „Umstände”- 
Komplexes primär verändert ist, da man sonst nicht weiß, auf 
welche der Komponenten der Wirkungskomplex zu beziehen ist. — 
Die Experimente der Natur, mit denen wir es in vielen psycho- 
pathologischen Fällen zu tun haben, sehen wir auch angestellt 
nach der sogenannten Unterschiedsmethode. Diese 
Induktionsmethode hat zwei Formen, die beide für uns in Be¬ 
tracht kommen. 
Bei der einen ist ein Faktor in einen gegebenen ,,Umstände”- 
Komplex eingeführt und es ist daraufhin eine Veränderung 
eingetreten. Man sieht dann, wenn die Versuchsbedingungen 
konstant gehalten sind, den eingeführten Faktor als Mitursache 
für die aufgetretene Wirkung an. Ein Beispiel brauche ich hierfür 
wohl nicht zu geben. 
Bezüglich dieser Methode ist wieder zu konstatieren, daß 
sie nicht nur experimentelle Methode, sondern auch Beobachtungs¬ 
methode ist. Wir werden später Fälle kennenlernen, in denen 
ein auftretender Erschöpfungszustand Mit¬ 
ursache für die Entwicklung von Wahnideen ist. 
Bei der anderen Form der Unterschiedsmethode wird beim 
Auftreten einer Wirkung aus dem ,, Umstände’’-Komplex ein 
Faktor entfernt. Dahin gehören die Fälle von Exstir¬ 
pation bestimmter Partien des Gehirnes beim normal funktionie¬ 
renden Tier, etwa die bekannten Experimente von Fritsch und 
Hitzig. 
1) Störring: Logik. S. 266.
        

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