Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/58/
1182 
G. Störring 
Diese Feststellung stimmt mit Erfahrungen des gewöhnlichen 
Lehens überein, daß von dem einzelnen Menschen solche Erlebnisse 
ans der Vergangenheit am besten reproduziert werden, die sich 
mit Affekten verbanden, und daß dabei häufig zufällige Um¬ 
stände mit großer Deutlichkeit hervortreten. 
Wenn wir nun aber auch annehmen, daß 
beim Zwangserleben die darin gegebenen 
Affekte eine Steigerung der Intensität der 
Korrelate von Vorstellungen mit sich bringen, 
welche in den Zwangsgedanken e ingehen, so 
können wir doch nicht das Zwangserleben 
auf das Konto dieser in ihrer Intensität ge¬ 
steigerten Korrelate von Vorstellungen 
setzen: 
Es sind doch nur seltene Fälle, in welchen 
diese Steigerung der Intensität zu Pseudo¬ 
halluzinationen führt, d. h. aber, es bleibt 
im allgemeinen die Intensität der Korrelate 
der betreffenden Vorstellungen unter der 
Intensität von Empfindungen und Wahr¬ 
nehmungen. Dann wird aber nicht verständ¬ 
lich, wie die Zwangsvorstellungen gegen die 
stärkeren Willensenergien mit den in ihnen 
gegebenen emotionellen Energien, in denen 
doch wieder ganze Komplexe von Organ¬ 
empfindungen stecken, sich behaupten 
können. Das wird nur verständlich, wenn 
den Willensenergien, welchen die psycho¬ 
physische Energie von Empfindungsko m- 
plexen zukommt, welche durch Aufmerksam- 
keits- und Urteilsprozesse noch in ganz be¬ 
sonders wirkungskräftige Situation ge¬ 
bracht sind, andere Komplexe von Empfin¬ 
dungen, wie sie in Affektzuständen reprä¬ 
sentiert sind, gegenüberstehen. 
Und sodann haben wir ja auch schon gezeigt, wie die Affekt¬ 
zustände im Zwangserleben die Fixierung der Vorstellungen und 
Gedanken in einer Art von Dynamo-Prozeß zustande bringen. 
Es war für uns also nur noch die Möglichkeit zu diskutieren, ob 
die in ihrer Intensität durch den Affekt gesteigerten Korrelate 
von Vorstellungen, die in den Zwangsgedanken eingehen, in der¬ 
selben Whise ein Zwangsgeschehen herbeiführen, wie die Affekte 
unmittelbar.
        

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