Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/520/
1644 ' V" ~Gr. ‘Störring ; " "* 
bietenden Tatbestandes, die Frage nabe, welche Eolle die ethische 
Selbstachtung als Motiv des Wollens spielt. 
Als Motiv des Wollens tritt die ethische Selbstachtung dann 
auf, wenn ihre Behauptung zum letzten Zweck ( = Motiv) eines 
Wollens gemacht wird, indem man sich in einem gegebenen Fall 
sagt, daß die Realisierung eines bestimmten Wollens nötig ist, 
um seine ethische Selbstaehtung zu behaupten, und man nun, um 
diese Behauptung zustande zu bringen, dies bestimmte Wollen 
vollzieht. 
Unter dem Willen des Individuums, seine Selbstachtung zu 
behaupten, verstehe ich den Willen, die Bedingungen in sich 
realisiert halten, von denen ethische Selbstachtung abhängt. 
So entwickelt sich eine neue Art von Wertschätzen und 
Wollen, indem etwas, was als Wirkung im psychischen Leben 
auf getreten ist, hier zum Motiv des Wollens gemacht wird! 
Auf diesen ethisch eminent wichtigen Tat¬ 
bestand läßt sich nun das Sympathieprinzip 
anwenden: der Betrachter kann mit einem solchen Wollen 
bei anderen sympathisieren. 
Schließt sich aber an den Gedanken, die Entwicklung ethischer 
Selbstachtung in anderen zu fördern, in gegebener konkreter 
Situation Sympathielust an, so sind damit die Bedingungenrealisiert, 
zur Entwicklung eines entsprechenden Strebens zur Förderung 
dieser Entwicklung. 
An den Gedanken, die Entwicklung ethi¬ 
scher Selbstachtung in anderen zu schädigen, 
werden sich dann stärkste Unlustgefühle an¬ 
schließen, die in letzter Linie von der Wertschätzung der 
Behauptung eigener ethischer Selbstachtung abhängig sind. Ein 
Wollen, durch das absichtlich die Entwicklung ethischer Selbst¬ 
achtung in anderen geschädigt wird, erfährt jetzt die allerschärfste 
ethische Verwerfung. Mit ihm ist gar nicht zu vergleichen ein 
Wollen, durch das wissentlich etwa sinnliche Unlustgefühle zu 
Unrecht in anderen erzeugt werden. 
Hier tritt deutlich hervor der Unterschied zwischen einfachen 
(niederen) und höheren ethischen Werten und Unwerten. Diesen 
Tatbestand näher zu verfolgen, ist Sache der philosophischen Ethik. 
2. Kant hat geglaubt, das autonome Pflichtbewußt¬ 
sein die „Achtung vor dem Sittengesetz” sei ein 
angeborener Tatbestand, psychisch nicht weiter abzuleiten. 
Tatsächlich lassen sich aber Abhängigkeitsbeziehungen hierfür 
aufweisen1). Die Ableitung ist zugleich eine solche, daß dadurch 
x) Störring: Moralphilosophische Streitfragen. S. 122 ff; Die sittlichen 
Forderungen und die Frage ihrer Gültigkeit. S. 93 ff.
        

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