Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/52/
1176 
G-. Störring 
Tatsache hinnehmen, sondern selbst wieder ableiten. Die intellek¬ 
tuellen Unterlagen des Affektes und der Affekt selbst sind natür¬ 
lich Vorgänge und die intellektuelle Unterlage hat den Affekt¬ 
zustand ausgelöst. ISTun läuft die intellektuelle Unterlage schneller 
ab als der Affektzustand. Der Affektzustand tendiert aber dazu, 
intellektuelle Vorgänge zu reproduzieren, die sich selbst wieder 
mit einem ähnlichen Affekt verbinden. Also wird von dem 
Affektzustand aus seine eigene intellektuelle 
Unterlage wieder reproduktiv angeregt 
und diese löst wieder einen Affektzustand 
gleicher Art aus. Wir würden es hier dann 
in diesem Fixierungsprozeß mit der Wirkung 
eines Dynamoprinzips zu tun haben. — 
Bei unserer Festlegung der Tatsache, daß 
Gefühlszustände fixierend auf Vorstellungen 
und Gedanken wirken können, haben wir — 
methodologisch betrachtet — einen Schluß 
nach der Induktionsmethode der Überein¬ 
stimmung gemacht: Jedenfalls bei einer ganzen Gruppe 
von Erkrankungen an Zwangsvorstellungen und Zwangsgedanken 
stimmen alle Zwangsvorstellungen und Zwangsgedanken darin 
überein, daß dabei ein Angstaffektzustand vorliegt, der durch die 
betreffende Vorstellung, den betreffenden Gedanken, ausgelöst 
ist, wobei die fixierten Vorstellungen und Gedanken im Fall des 
einzelnen Patienten im allgemeinen wechseln. 
Es läßt sich zeigen, daß in einer anderen Gruppe von Fällen 
von Zwangsvorstellungen und Zwangsgedanken die Fixierung 
anstatt durch Angstaffekte durch Spannungszustände 
bedingt ist, die jedenfalls zum Teil pathologisch orga¬ 
nischen Ursprung haben1). (Postenzephalitische Zustände). Hier 
sind es dann ebenfalls nicht Vorstellungen und Gedanken, die 
sich selbst fixieren ! 
Es ist auch einigermaßen methodologisch interessant zu sehen, wie die 
Annahme, daß eine gesteigerte Intensität der Vorstellungen die Fixierung herbei¬ 
führt, gegen die emotionelle Annahme verteidigt wird, zumal von einem in diesem 
G-ebiet so bewanderten Psychopathologen wie M. Friedmann. Ich gebe seine 
Argumente und die von mir an ihnen vor längerer Zeit geübte Kritik. 
Für die gedachte Behauptung, daß eine gesteigerte Intensität der Vor¬ 
stellungen die Fixierung herbeiführt, wird zunächst angeführt ,,die Tatsache des 
Zwanges, d. h., daß sich die Vorstellung unserem Wollen zum Trotz behauptet, 
daß sie andere, uns angenehmere abdrängt, daß sich diese Vorstellung auch bei 
größter Abscheu auf drängt”. 
Ich muß nun allerdings sagen: ich sehe gar nicht ein, weshalb eine Vor¬ 
stellung, die sich uns gegen unseren Willen, auch bei größter Abscheu, aufdrängt, 
und angenehmere zurückdrängt, dies nur durch abnorm starke Intensität ihrer 
B Ernst Störring : Über Zwangsdenken bei Blickkrämpfen. Arch. f. Psychiatr. 
89. (1930).
        

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