Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/473/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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vollen herabgesetzt wird, daß der Fing der Wölkchen als 
etwas anfgefaßt wird, was dem Wehmntsvollen analog ist in einer 
niederen Stufe des Daseins. Das Wehmutsvolle bleibt hier viel¬ 
mehr, was es ist ; es wird gar nicht anf das Objekt durch 
Verschmelzung bezogen, sondern es bleibt 
auf mich selbst, den ästhetischen Betrachter 
bezogen: es handelt sich hier darum, daß von dem An¬ 
schauungsobjekt, dem Flug der Wölkchen, 
uns durch das Mittelglied des Gedankens an 
die Vergänglichkeit ein wehmutsvolles Ge¬ 
fühl aufgedrängt wird! 
Wir leugnen hier die Verschmelzung des 
Gefühles mit dem ästhetischen Objekt und 
damit leugnen wir hier die Einfühlung. 
Wir können also sagen, daß in manchen Fällen ästhetischer 
Betrachtung von Objekten an die Stelle der Verschmelzung unserer 
durch die Objekte ausgelösten Gefühle mit dem Objekt —und damit 
an die Stelle der ästhetischen Einfühlung — 
ein Sichaufdrängen eines bestimmten gefühls¬ 
starken Gedankens tritt ! 
Im Fall der ästhetischen Betrachtung der Tanne oder 
Säule können wir auch nicht annehmen, daß das dabei hervor¬ 
tretende seelische Sichaufrichten in ein niedrigeres Analogon des- 
menschlich-seelischen Sichaufrichtens verwandelt und dann ver- 
objektiviert wird, hier scheint uns auch das seelische Sichaufrichten 
zu bleiben, was es ist und nicht auf das Objekt bezogen zu werden, 
sondern auf mich, den anschauenden Betrachter: Die An¬ 
schauung der Tanne, der Säule drängt mir auf 
eine Betätigung meines Ichs in bezugauf die 
Tanne, auf die Säule. 
Ich entwickle beim Betrachten der Tanne Streckungs¬ 
empfindungen ; diese werden ins geistige umgedeutet als seelisches 
Sichaufrichten. 
In der einen Klasse dieser Fälle tritt also an die Stelle der 
Verschmelzung unserer Gefühle mit dem angeschauten Objekt — 
und damit an die Stelle der Einfühlung — ein Sichauf¬ 
drängen eines gefühlsstarken Gedankens, in 
der anderen ein Sichaufdrängen einer bestimmten 
Betätigung des anschauenden Subjektes. 
Man darf uns nicht den Ein wand machen, daß wir es hier, 
wo keine Verschmelzung mit dem angeschauten ästhetischen 
Objekt vorliegt, mit einem außerästhetischen Faktor 
zu tun haben: mit außerästhetischen Faktoren haben wir es da 
zu tun, wo gefühlsstarke Vorstellungen oder Gedanken nicht nur 
als selbständige Reproduktionen neben dem angeschauten Objekt
        

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