Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/451/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 1575 
So kann es scheinen, als ob mit unserer 
psychologischen Bestimmung über als all- 
gemeingültig erscheinende Werte nnd der 
gleichzeitigen philosophischen Bestimmung 
der Anerkennung gewisser als allgemein gültig 
erscheinender Werte als in Wirklichkeit all¬ 
gemeingültig für die philosophische Ethik 
der Eudämonismus unausweichlich sei. 
Aber man muß beachten, daß hier als all¬ 
gemeingültig erscheinende Werte nicht lust¬ 
gefärbte Gefühlszustände darstellen, sondern 
gewisse Tatbestände, welche lustgefärbte 
Gefühlszustände auslösen! Also etwa be¬ 
stimmte Arten von Lebensbetätigung, deren 
Betrachtung lust gefärbte Gefühlszustände 
auslöst oder eine bestimmte Gestaltung der 
Persönlichkeit, deren Betrachtung lustgefärbte 
Gefühlszustände nach sich zieht. 
Sodann kann ich den nichteudämonistischen Ethiker damit 
beruhigen, daß hier noch die Auffassung möglich ist, daß die 
Bangordnung der Werte nicht durch Gefühlszustände 
zu bestimmen ist... Zu einer Bangordnung der 
Werte kommt man nicht, indem man die Ge¬ 
fühlszustände, welche den einzelnen Werten 
entsprechen, miteinander vergleicht, sondern 
indem man an Hand des gegebenen sittlichen 
Tatbestandes eine abstrakte Bestimmung 
über das Sittliche macht, die so beschaffen 
ist, daß sich aus derselben unter Berück¬ 
sichtigung der jeweiligen Lebensbedin¬ 
gungen ethische Werturteile, die man ge¬ 
wöhnlich als Einzelnormen bezeichnet, ab¬ 
leiten lassen1) (,,Moralprinzip”). 
2. ,,Objektive Werte.” 
Der Streit um „objektive Werte” spielt gegenwärtig eine 
große Bolle in der philosophischen Ethik, besonders in den phanta¬ 
stischen Eormen derselben. Man braucht dabei allerdings diesen 
Terminus im verschiedenen Sinne. 
1. In gewissem Sinne können wir auf Grund unserer wert¬ 
psychologischen Entwicklungen auch von objektivem Werte 
sprechen, aber natürlich nur in einem psychologischen Sinne. 
l) Störring: Sittliche Forderungen und die Frage ihrer Gültigkeit. 
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