Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/447/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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dnft. . . ., dann sah ich die Blnmen anf dem Maialtar, rot, weiß nsw. Mit dem 
Geruch treten Gefühle der Sehnsucht anf, das in mir den Gedanken verursachter 
könntest da das noch einmal haben. . . . Ich sagte mir nun, du sollst eine emotionelle 
Stellungnahme vollziehen, und nun sagte ich mir, sie ist vollzogen dort, wo das 
Gefühl der Sehnsucht auftrat. Nun noch ein Werturteil lUmzueinemW ert- 
urteil zu kommen, faßte ich die von mir vergege n- 
wärtigten Gefühle auf als in der Wirklichkeit durch 
die Gegenwart der verschiedenen Wahrnehmung s- 
ohjekte ausgelöste Gefühle. Ich dachte, daß diese- 
Wahrnehmungsgegenstände solche Gefühle auszu¬ 
lösen pflegen. (Einschränkng: nicht überall.) 
Versuchsperson vollzieht zunächst eine sehr ausgeprägte aktuelle Wert¬ 
schätzung und fragte sich dann, ob sich auch ein allgemein gültiges Werturteil 
vollziehen lasse. Sie betrachtet die in ihr erzeugten Gefühle¬ 
ais durch die betreffenden Objekte kausal bedingt, 
erkennt aber, daß sie von einer solchen kausalen Be¬ 
ziehung nur unter Voraussetzung bestimmter Eigen¬ 
schaften in den Subjekten sprechen kann. 
II. Abgeleitete, spezifische emotionelle Werturteile mit Anspruch auf Allgemein- 
gültigkeit. 
Den selbständigen spezifischen emotionellen Werturteilen 
stehen die abgeleiteten gegenüber. 
Abgeleitet finden wir sie in verschiedener Weise: Durch 
kausale Beziehungsetzung, durch subjektiv-teleo¬ 
logische und durch Setzung einer logischen Abhän¬ 
gigkeitsbeziehung. 
1. Fassen wir zunächst die Ableitung durch kausale Be¬ 
ziehungsetzung ins Auge. 
Wir sahen früher, daß eine Versuchsperson bei Verarbeitung 
des Beizwortes ,,Hoffnung” die interessante Bestimmung macht: 
,,Hoffnung ist ein Wert, insofern der Zustand der Hoffnung es der 
Persönlichkeit erleichtert, Handlungen zu realisieren, welche die 
Bealisierung eines gewünschten Wertvollen herbeiführen. Hoffnung 
ist ein Mittelwert.” 
Die Versuchsperson sagt: „Hoffnung ist kein selbstän¬ 
diger Wert, aber sie ist ein Mittelwert.” Wenn sie die Hoffnung 
als Mittelwert bezeichnet, so hat sich die Versuchsperson etwas ver¬ 
griffen : Hoffnung dient doch im allgemeinen nicht als Mittel 
zum Zweck der Bealisierung eines Wertvollen, sondern sie spielt die 
Bolle einer Mitursache zur Bealisierung eines Wertvollen. 
Hier liegt also keine teleologische, sondern eine kausale Ab¬ 
leitung vor. 
Von einer Versuchsperson wird bei dem Beiz wort „Universitäts- 
bildung” gesagt: Durch sie können alle geistigen Kräfte ausgebildet 
werden, die intellektuellen, sittlichen und ästhetischen: es kann 
dadurch „der ganze Mensch fürs Leben tüchtig gemacht werden”. 
Hier erfährt die Universitätsbildung eine als allgemeingültig* 
aufgefaßte Wertung, indem sie aufgefaßt wird als Ursache, welche 
die Bealisierung von absolut Wertvollem nach sich zieht.
        

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