Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/418/
1542 
G-. Störring 
auftreten. Die zweite und dritte Möglichkeit habe ich früher zu 
widerlegen gesucht1). Die dritte Möglichkeit war damals von 
Alfred Lehmann in der ersten Auflage seiner Psychologie des; 
menschlichen Gefühlslebens vertreten. Ich bin für die erste Möglich¬ 
keit eingetreten, habe diese Hypothese näher ausgestaltet. Später 
hat A. Lehmann2) auch die Auffassung entwickelt, daß Lust an 
den Umsatz von potenzieller in aktuelle Energie gebunden ist. 
Man muß hier natürlich eine gewisse Beschränkung machen 
und etwa sagen, Lust sei gebunden an den Umsatz von potenzieller 
in aktuelle Energie in den zentralen Nervenzellen innerhalb 
einer bestimmten Grenze. Was läßt sich nun über diese 
Grenze sagen? Wenn man in der Skala der Beize, welche die 
zentralen Nervenzellen treffen, nach oben steigt, so kommt man 
natürlich an eine Grenze derart, daß bei noch weiterer Steigerung 
der Intensität Unlust entsteht. Es ist offenbar für den Organismus 
zweckmäßig, daß Beize so großer Intensität, daß die durch sie 
ausgelösten Dissimilationsprozesse nicht mehr durch Assimilations¬ 
prozesse ausgeglichen werden können, sich mit Unlust verbinden. 
Ich habe sodann Muskelkurven verwertet, die ich selbst am 
kurarisierten Eroschmuskel bei steigender Beizintensität bis zu 
übermaximaler Beizung unter isometrischem Beizungsregime an¬ 
gestellt habe. Bei übermaximalen Beizen weisen diese Kurven gegen 
die anderen eine deutliche Modifikation auf. Die Kurve bei über¬ 
maximaler Beizung zeigt sehr deutlich früheren und jäheren 
Abfall, sowie kürzere Dauer der Spannungsentwicklung. 
Es ist also bei übermaximaler Beizung 
eine eigentümliche Modifikation der Zer¬ 
setzungsprozessein der lebendigen Substanz 
zu konstatieren. Dieser eigentümlichen Modifikation der 
Zersetzungsprozesse in der lebenden Substanz entsprechen bei 
übermaximaler Beizung von zentralen Nervenzellen des Gehirns 
Unlustgefühle. 
Deshalb nehme ich an, daß wir die in Bede 
s t e h e n d e G r e n z e in derWeise n ä h e r best immen 
können, daß eine Beizung der zentralen sen¬ 
sorischen Nervenzellen sich mit Lust ver¬ 
bindet, solange ihre Intensität sich unter 
der Größe hält, wo die in derselben ausgelösten 
Dissimilations- und Assimilationsprozesse 
eine wesentliche Modifikation, eine Störung 
erfahren. Diese Modifikation betrachte ich als einen Ausdruck 
x) Störring: Vorlesungen über Psychopathologie. 1900. 
2) A. Lehmann: Die körperlichen Begleiterscheinungen der psychischen 
Zustände. II. Teil. 1901.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.