Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/415/
Methoden der Psychologie des G-efühlslebens 1539 
statiert „Empfindungen der Baucheingeweide”, sodann „Empfin¬ 
dungen für Zirkulationshemmnisse, Atmungsüemmnisse der Lunge* 
fühlbare Änderung des Herzschlages” usw. 
Genaue Feststellungen nach der Selbstbeobachtungsmethode 
hat hier JE. Meumann gemacht. Er sagt: „Ich habe zwei Semester 
hindurch gelegentliche Notizen über Empfindungen aus dem 
Innern meines Organismus gesammelt. Man muß hierbei geeignete 
Gelegenheiten abwarten, da viele derartige Empfindungen — 
aber durchaus nicht alle — nur bei leichten Verstimmungen der 
inneren Organe eintreten. Zur Erläuterung der folgenden Beob¬ 
achtung sei bemerkt, daß ich nur über schwache Verdauungs¬ 
tätigkeit verfüge; Magen und Darm sind bei mir sehr empfindlich 
gegen Diätwechsel und ich habe eine schwache Neigung zu Herz- 
neurose, die als Folge einer früheren Periode der Überarbeitung 
geblieben ist. Aus meinen Notizen ersehe ich nun, daß ich beinahe 
allwöchentlich, bei manchen Empfindungen sogar fast täglich 
deren Vorhandensein angegeben habe. Die meisten inneren Emp¬ 
findungen stammen aus dem Magen und aus dem Darm. Jede un¬ 
gewöhnlich starke Mahlzeit, jeder Genuß schwer verdaulicher 
Speisen verursacht eine charakteristische Empfindung von Fülle 
und Druck im Magen, die eine halbe bis zwei Stunden nach der 
Mahlzeit anhält. Die Lokalisation derselben wird bestimmter, 
wenn ich die Magengegend abtaste. Empfindungen aus dem Darm 
werden notiert als stationäre oder eigentümlich wandernde Druck¬ 
empfindungen, die im Innern der Bauchhöhle, stets aber an den 
vorderen Partien lokalisiert werden. Sie treten bei Verdauungs¬ 
störungen aller Art auf. Fast niemals bin ich nach dem Essen von 
Verdauungsstörungen frei. Beizmittel, wie Kaffee und Likör, 
steigern sie vorübergehend. Die Hungerempfindung wird nicht nur 
im Munde und in den Schlundpartien, sondern ganz bestimmt 
auch im Magen lokalisiert. Durch Palpieren der Magengegend 
nimmt sie an Bestimmtheit zu, und das Abtasten wird als eine 
Kontrolle der Lokalisation empfunden. Mehrmals notierte ich bei 
Blähungen sehr intensive, periodisch auf- und abschwellende 
Schmerzen in der ganzen Gegend des Dünndarmes, die jedoch eben¬ 
falls nur in der vorderen Partie der Bauchhöhle lokalisiert werden. 
In die Bückenpartien werden dagegen einige Male Empfindungen 
aus der Speiseröhre verlegt, die infolge zu lebhaften Schluckens 
fester oder flüssiger Speisen auftraten. Es erhöht sofort dabei die 
Bestimmtheit der Lokalisation, wenn man die Gegend der Emp¬ 
findung mit dem Finger zu bezeichnen sucht. Nebenbei sei bemerkt, 
daß ich keinen Tag seit Anstellung dieser Beobachtungen die Ver¬ 
dauung als ganz ohne Empfindungen ablaufend bezeichnen konnte. 
Außer diesen Empfindungen aus den meisten Teilen des 
Tractus intestinus, zu dem noch die bekannten, von jedermann
        

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