Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/410/
1534 
Gr. Störring 
Interessant ist es, von dem Antor noch mehr im einzelnen 
zn hören, was die Ganzheitspsychologie im Gegensatz zur so¬ 
genannten „Elementenpsychologie” leisten will. 
Sie will zunächst ,,die Struktur des gesamten äußeren Um¬ 
feldes” beim psychischen Geschehen berücksichtigen. Beim Strecken¬ 
halbieren ist also zu berücksichtigen, ob noch weitere Strecken 
auf dem gleichen Blatt gegeben sind, wie sie zueinander und zum 
Blattrand liegen usw.” — als 'ob die sogenannte „Elementen- 
psyehologie” nicht die Komplikation eines psychischen Ge¬ 
schehens durch äußere Umstände berücksichtigt hätte ! Wir haben 
das hier doch auf Schritt und Tritt getan ! 
Sodann soll von der Gestaltspsychologie berücksichtigt werden 
das „innere Umfel d”. Es soll z. B. bei der Handlung des 
Schreibens unterschieden werden, ob ein Satz in Schönschrift 
abgeschrieben wird oder ob eine briefliche Mitteilung gemacht wird. 
„Kur im ersten Falle geht die Intention der Handlung auf das 
Schreiben selbst. Das Schreiben beim Briefschreiben ist dagegen 
gar kein Schreiben in diesem Sinne. Die motorische Komponente 
pflegt dabei ein durchaus unselbständiges Moment 
darzustellen1).” Als ob die sogenannte Elementenpsychologie 
etwas anderes behauptete, als ob sie solche psychische Vorgänge 
identifizierte ! Tatsächlich spricht sie hier von ganz ver¬ 
schiedenen Willensvorgängen! 
Weiter will die Ganzheitspsychologie auf ,,zeitlich aus¬ 
gedehnte Ganzheiten” verweisen. Als ob die so- 
g e n a n n t e ,,E 1 e m e n t e n p s y c h o 1 o g i e” diese Ganz¬ 
heiten nicht auch kennte! Aber sie kennt 
dieselben als Ganzheiten, welche die wissen¬ 
schaftliche Befriedigung darbieten, daß sie 
sich auf psychische Elemente zurückführen 
lassen! Solche Ganzheiten sind uns z. B. entgegengetreten in 
experimentellen Wahlhandlungen. 
Wenn von ,,Einleitungs- und Abschlußvorgängen” bei solchen 
Ganzheiten gesprochen wird, so paßt das vorzüglich zu Schlu߬ 
prozessen, von denen ich gezeigt habe, daß sie sich — auch die 
komplexen — auf psychische Elemente zurückführen lassen2). 
Weiter soll die Gestaltpsychologie folgendes leisten: „Nicht 
minder wichtig wie die Gliederung im zeitlichen Nacheinander ist 
die Struktur der Handlungen als einer Ganzheit von Prozessen, 
die in verschiedener Tiefe und mit verschiedenem Gewicht gleich¬ 
zeitig miteinander ablaufen 3).” 
b 1. c. S. 14. 
2) Störring: Das urteilende und schließende Denken in kausaler Be¬ 
ziehung 1926. 
3) 1. c. S. 15.
        

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