Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/400/
1524 
G-. Störring 
Es hat sich uns nun aber gezeigt, daß wir an einer Eeihe 
von Stellen bei der Gestaltung optimaler Bedingungen der Wirk¬ 
samkeit von allgemeinen Entschlüssen auf das Einzelwollen und 
-handeln Gefühlszustände als wirksam einsetzen mußten, ohne 
daß die Wirkung der Gefühlszustände in einer Verstärkung einer 
Assoziation oder Begünstigung einer Reproduktion bestand1). 
Die experimentelle Untersuchung der 
Willensvorgänge hat an mehreren Punkten ge¬ 
zeigt , daß in vielen Fällen der ausführenden 
Handlung nicht nur ein Reproduktionsprozeß 
vorliegt. 
Bei experimenteller Untersuchung der Wahlvorgänge, die 
ich habe anstellen lassen, haben sich Aussagen der Versuchsperson 
gehäuft, die dahin gehen, daß die Ausführung einer gedachten 
Wahlmöglichkeit aus dem Gefühlszustand hervorzu¬ 
gehen schien, der sich mit dem Gedanken an die Wahl¬ 
möglichkeit verband. Ich habe selbst als Versuchsperson unmittel¬ 
bar bei solchen Versuchen die Überzeugung gewonnen, daß ein 
starker Gefühlszustand, der sich mit dem Gedanken einer be¬ 
stimmten Wahlmöglichkeit verband, für den Eintritt der Aus¬ 
führung der betreffenden Bewegung, des betreffenden Dynamo¬ 
graphenzuges verantwortlich zu machen sei. 
Man hat dabei den Eindruck, daß die Gefühls¬ 
energien zu motorischer Entladung kommen. 
Dahin gehört sodann eine ganze andere Klasse von Ver¬ 
suchen : Versuche über den Einfluß der Unlust¬ 
gefühle auf den motorischen Effekt der Willens¬ 
handlungen. 
Wir sahen bei Besprechung dieser Versuche, daß Unlust¬ 
gefühle unter den gegebenen Versuchsbedingungen auf den 
motorischen Effekt von Willenshandlungen steigernd wirken. 
Wir schalten diejenigen Fälle aus, in denen die Absicht auf¬ 
trat, die Unlust durch bei starkem Zug auftretende Spannungs¬ 
empfindungen herabzusetzen. Sodann schalteten wir solche Fälle 
aus, in welchen sich die Unlust mit Erregung nach subjektiver 
Angabe und objektiver Kontrolle der Pulsveränderungen verband. 
Dann blieb nur noch die Möglichkeit übrig, 
daß die Steigerung des motorischen Effektes 
auf das Konto der Entladung der Unlust¬ 
energien zu setzen sei. Wir sprachen dann bestimmter 
von Entladung der in der Unlust steckenden Organempfindungen 
in die motorischen Gebiete der Hirnrinde. 
b Diese Untersuchung. S. 1522.
        

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