Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens
Person:
Störring, Gustav
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39662/339/
Methoden der Psychologie des Gefühlslebens 
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eine geistige Färbung, welche anf das Konto jener Gespräche mit 
dem Frennde kommt. 
Ein besonderer komplexer Fall der Übertragung von Gefühls- 
znständen liegt da vor, wo ich von Summationszentren 
von Gefühlsznständen spreche. Um gewisse Wahr¬ 
nehmungen, Vorstellungen, Gedanken, Urteilsprozesse können 
sich Gefühlszustände durch Übertragung gruppieren, die aus ver¬ 
schiedenen Perioden des Lebens stammen. So ist es bei Vorstellung 
oder Wahrnehmung des Vaters, der Mutter, der Lebensgefährtin, 
des Freundes, bei einem religiösen Menschen beim Gedanken an 
Gott; so ist es bei einem sittlich höher entwickelten Menschen bei 
dem in konkreter Situation gefällten Urteil, ,,das ist für mich hier 
sittlich geboten”, ,,das ist für mich hier sittlich verboten”. 
Solche intellektuelle Zentren können gewaltige Gefühlsmassen 
auslösen, wobei über die Genesis der einzelnen in diese Gefühls¬ 
masse eingegangenen Gefühlszustände im allgemeinen nichts mehr 
festzustellen ist. 
An solchen Gefühlsmassen, welche durch Summationszentren 
von Gefühlszuständen ausgelöst werden, ist zu beachten das ,,ver- 
schiedene Alter” der Gefühlsdispositionen. 
Wie man auf intellektuellem Gebiet auf Grund experimenteller 
Befunde von verschiedenem,, Alter” der Disposition zu Vorstellungs¬ 
reproduktionen spricht1), wobei man betont, daß die älteren Dis¬ 
positionen fester haften, so kann hier auf emotionellem Gebiet in 
gleichem Sinne von einem verschiedenen Alter von Gefühls¬ 
dispositionen gesprochen werden. 
Hier kommt hinzu, daß die älteren Gefühlsdis¬ 
positionen an Festigkeit und Wirkungskräf¬ 
tigkeit dadurch im allgemeinen stark ge¬ 
wonnen haben, daß sie in verschiedenenZeit- 
punkten immer wieder neu angeregt sind. 
Von diesen Gefühlszuständen gilt sodann, da sie aus ver¬ 
schiedenen Perioden des Lebens des Individuums stammen, daß 
sie einen relativ großen Reichtum emotioneller 
Komponenten darbieten, welche zu verschiedenen 
Erlebnisperioden des Individuums gehören. Man 
hat hier von verschiedenen ,,Schichten” des Bewußt¬ 
seins gesprochen. 
Sodann ist hier ganz besonders hervorzuheben, daß diese 
Gefühlszustände im allgemeinen eine nahe 
Beziehung zu objektiven Werten haben und 
damit zu den Grundsätzen des Individuums 
in naher Beziehung stehen. 
x) Störring : Psychologie. S. 151. 
95*
        

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